ETFs
Am Ursprung investieren

Rohstoffe gelten als gute Depotergänzung, weil ihre Wertentwicklung kaum von den Aktienmärkten abhängt. ETFs bieten einen leichten Marktzugang. Doch trotz Index-Investment müssen Anleger einen Großteil der Diversifikation selbst besorgen.

Rohstoffe in einem Index zusammenfassen: Auf diese Idee kam schon 1957 das "Commodity Search Bureau" (CRB) in den USA. Der damals aufgelegte CRB-Index war allerdings eher eine theoretische Übung als eine wirkliche Messlatte für Finanzprodukte. Seine Konstruktion versuchte, die tatsächlichen Rohstoffpreise an den Weltbörsen möglichst genau abzubilden - und lief damit der Marktrealität entgegen. Denn Rohstoff-Investoren handeln nicht mit dem Produkt selbst, sondern mit in die Zukunft gerichteten Kauforders.

Inzwischen ist auch dieser Index-Pionier in der Markt-Gegenwart angekommen. Seit Mai 2005 heißt er Reuters/Jeffries CRB Index, und die neuen Besitzer haben ihm eine Generalüberholung verpasst. Seitdem besteht er aus regelmäßig rollierenden Futures auf zurzeit 19 Rohstoffe.

Mit dem Wortungetüm "rollierende Futures" bezeichnen Börsianer eine Art zu investieren, die besonders bei schwierig lagerbaren Gütern eingesetzt wird. Anstatt direkt zu investieren, kauft der Anleger einen Future. Das ist ein Vertrag, der ihm erlaubt - und ihn gleichzeitig aber auch dazu verpflichtet - zu einem festgelegten Zeitpunkt eine festgelegte Menge einer Ware zu erhalten. Dieser Vertrag hat einen Börsenwert, der idealerweise dem des zugrunde liegenden Gutes - zum Beispiel einem Rohstoff - entspricht.

In der Praxis tritt hier aber ein mitunter gravierendes Problem auf: Jeder Future ist mit einer festgelegten Laufzeit ausgestattet und würde am Fälligkeitstag zur tatsächlichen Anlieferung des Gutes führen. Damit das nicht passiert, müssen Investoren sie regelmäßig gegen neue Verträge austauschen, die eine längere Laufzeit haben - sie rollen ihre Futures. Hierbei kommt es zu einem interessanten Effekt: Wird ein bald auslaufender Future gegen einen gerollt, der beispielsweise noch sechs Monate läuft, schaden steigende Rohstoffpreise dem Anleger. Denn der neue Future wird erst in sechs Monaten fällig und kostet mehr als der alte, wenn in sechs Monaten mit höheren Rohstoffpreisen gerechnet wird. Der Abstand zwischen Verkaufspreis des alten und Kaufpreis des neuen Vertrags heißt "Rollverlust".

Wer sich vor diesem Rollverlust nicht scheut - der bei günstiger werdenden Futures schließlich auch in einen Rollgewinn umschlagen kann - für den bieten sich eine Reihe ETFs auf Future-Indizes an, die allesamt in den vergangenen drei Jahren auf den Markt gekommen sind. Die vier größten handelbaren Indizes sind der Goldman Commodity Index (GSCI), der inzwischen von S&P verwaltet wird. Auch Dow Jones hat mit dem AIG Commodity Swap die Rohstoffe für sich entdeckt, ebenso wie der US-Vermögensverwalter Jim Rogers mit seinem Rogers International Commodity Index (RICI). Auch der CRB-Index spielt nach seiner Überarbeitung in dieser Liga mit.

"Bevor ein Anleger mit nur einem einzigen dieser Indizes in den Markt geht, sollte er allerdings sehr genau überlegen, ob die Streuung seinen Vorstellungen entspricht", rät Markus Gies, Pressesprecher des Verbands unabhängiger Vermögensberater. So hat zum Beispiel der GSCI eine so starke Gewichtung auf Energie, dass von Streuung nicht mehr wirklich die Rede sein kann: Mehr als 70 Prozent des Index besteht aus Öl und Gas, die größte Öl-Position alleine macht mehr als 35 Prozent aus.

Seite 1:

Am Ursprung investieren

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%