ETFs
Neuer Schub für Indexfonds

Der europäische Markt für börsengehandelte Indexfonds steht vor einem neuen Boom. Die preiswerten Produkte erobern das Geschäft mit vermögenden Privatkunden. Nach optimistischen Schätzungen dürfte sich dadurch der Markt in drei Jahren annähernd verdreifachen.
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FRANKFURT. "Das Vermögen wird auf bis zu 360 Mrd. Euro wachsen, vor allem getrieben durch das Geschäft mit gehobenen Privatkunden", sagt Farley Thomas, Vertriebsleiter von HSBC Global Asset Management. Der Markt ist jetzt knapp 140 Mrd. Euro groß.

Auch andere Experten erwarten, dass der Markt wächst, vor allem im Wealth-Management oder Private Banking, also im Geschäft mit vermögenden Privatkunden. "Hier liegt der Anteil der eingesetzten Indexfonds (ETFs) wohl erst bei zwei Prozent, diese Quote dürfte auf vielleicht sechs Prozent steigen", sagt Thomas. Experten der Credit Suisse schätzen den ETF-Anteil im großen schweizerischen Private-Banking-Markt auf vier bis fünf Prozent. "Diese Quote wird spätestens in zwei Jahren zweistellig sein", sagt eine Sprecherin der Bank.

Die britische Beratungsfirma Scorpio Partnership taxiert den europäischen Wealth-Management-Markt auf etwa fünf Bill. Euro. "Hier dürfte der ETF-Anteil von vielleicht 70 auf bis zu 260 Mrd. Euro in drei Jahren steigen", folgert der HSBC-Mann auf Basis seiner Schätzung. Andere Experten denken ähnlich.

Bisher greifen vor allem institutionelle Investoren bei diesen Produkten zu. Für sie sind die günstigen Gebühren und die Möglichkeit, ETFs jederzeit zum aktuellen Indexwert zu handeln, attraktiv. Gerade in den Jahren der Finanzkrise zogen die Fonds Investoren an, weil ETFs sehr transparent und liquide sind. Zudem geht das Investment nicht verloren, wenn die Bank, die den Fonds aufgelegt hat, pleitegeht. Diese Anleger waren zum Teil außerdem von den Leistungen ihrer aktiven Manager enttäuscht.

"Früher hatten Berater im Private Banking keinen Anreiz zum Einsatz preisgünstiger Produkte, aber nun drängen die Kunden", sagt Catherine Tillitson, Partnerin bei Scorpio Partnership. Auch Chris Plomitzer, Leiterin ETF-Vertrieb bei der Unicredit in München, sagt: "Fast jede große Privatbank hat eine Vermögensverwaltung für gehobene Kunden mit ETF-Bausteinen oder will so etwas aufbauen." Nach Angaben von Plomitzer entfällt ein Fünftel des ETF-Kapitals auf das Private Banking. "Die Quote dürfte im übernächsten Jahr auf ein Drittel steigen", sagt sie. Das wären ihrer Rechnung nach dann bis zu 100 Mrd. Euro, wobei sie erwartet, dass der ETF-Markt bis 2011 auf bis zu 300 Mrd. Euro wächst.

HSBC hat im Frühjahr als erster großer Wealth-Manager den Einstieg ins ETF-Geschäft mit dem Ziel angekündigt, die Produkte im eigenen Geschäft mit vermögenden Privatkunden zu verwenden. Nun hat die Bank die ersten Fonds aufgelegt. Nach Schätzung von Thomas stecken in jedem fünften europäischen Vermögenverwaltungs-Fonds Indexbausteine. "In Zukunft dürfte es jeder zweite sein", glaubt er. Ein Einsatz bei vermögenden Privatkunden kann jedoch neue Schlagkraft entwickeln - gemessen an der Größe des Private-Banking-Marktes und dem bisher bescheidenen Anteil der ETFs.

HSBC hat eine Pionierrolle übernommen. "Klassische Adressen wie UBS oder die Credit Suisse werden sich dem Trend nicht entziehen können", sagt Andreas Fehrenbach, Leiter ETFlab, der zur Sparkassengruppe gehörenden Sparte. Die großen schweizerischen Institute zählen zu den größten Vermögensverwaltern für wohlhabende Private.

Beide Häuser forcieren bereits ihr ETF-Geschäft. Die Credit Suisse hat auch entsprechende Angebote im Private Banking, wollte dazu aber keine Angaben machen. Anders bei der UBS. "ETFs sollten im Private Banking eine größere Rolle spielen", sagt Christian Gast, der UBS bei der Lancierung neuer Indexfonds voranbringen will. Die Bank offeriert seit Februar im Wealth-Management ein Portfolio, das auf ETF-Basis betreut wird. "Da sind schon mehrere Milliarden Euro hineingeflossen", sagt Gast.

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