Fallende Kurse
Spekulation auf die Baisse

Die jüngste Berg- und Talfahrt der Aktienmärkte hat viele Anleger verunsichert. Nachdem die Börsen mehr als vier Jahre fast nur eine Richtung kannten, wächst die Skepsis, wie lange die Hausse noch anhält. Banken legen nun verstärkt "Short"- oder "Reverse"-Papiere auf, mit denen Anleger von fallenden Kursen profitieren.

FRANKFURT. "Anders als im Jahr 2000, als das einzige Thema war, wie schnell die Märkte wie weit steigen, agieren die Anleger heute viel umsichtiger und fragen sich auch, wie sie sich gegen Rückschläge absichern können", sagt Ralph Stemper, Derivate-Experte der Commerzbank.

Finanzdienstleister haben den Stimmungswandel bereits aufgegriffen. Neben Anlageprodukten mit Sicherheitspuffer legen die Banken seit einiger Zeit verstärkt so genannte "Short"- oder "Reverse"-Papiere auf, mit denen Anleger von fallenden Kursen profitieren. Die Deutsche Börse berechnet seit Ende Februar sogar einen speziellen "ShortDax", der sich spiegelbildlich zum deutschen Leitindex entwickelt. Mit der Société Générale und der Raiffeisen Centrobank bieten bisher zwei Emittenten Indexzertifikate auf den ShortDax an.

"Mit Zertifikaten, die bei fallenden Kursen zulegen, können Anleger ihr Depot stabilisieren und die Verluste begrenzen", erklärt Stemper. Erfahrene Investoren spekulieren bereits seit Jahren mit Terminmarktpapieren wie Optionsscheinen und Knock-Out-Zertifikaten auf rückläufige Kurse. Allerdings ist das Risiko bei diesen Produkten relativ hoch; Anleger müssen vor dem Kauf ihre Termingeschäftsfähigkeit nachweisen.

Reverse-Zertifikate richten sich dagegen an Privatanleger. Und die finden bei den Neuerungen viel Bekanntes. Die meisten Baisse-Papiere stellen schlicht bestehende Strukturen auf den Kopf. Etabliert haben sich vor allem Reverse-Bonus-Zertifikate: Genau wie bei Bonus-Papieren erhalten Anleger hier am Laufzeitende zumindest eine fixe Ausschüttung, wenn eine bestimmte Kursschwelle nie verletzt wurde. Diese liegt aber nicht unter, sondern über dem Einstiegskurs.

Bei einem Reverse-Zertifikat auf den Dax mit einem Einstandskurs von 7 800 Punkten, einer Barriere bei 9 000 Punkten und einem Bonus von 25 Prozent etwa erhalten Anleger den Bonus, wenn der Dax nie über 9 000 Punkte klettert. Wird die Schutzschwelle aber verletzt, entfällt der Anspruch auf den Bonus. Jeder Prozentpunkt, den der Dax am Ende über 7 800 Punkte liegt, wird dann in Verluste umgewandelt.

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