Fidelity schreibt Beteiligung herunter
Zweifel am Firmenwert von Snapchat

Die Fondsgesellschaft Fidelity ist am sozialen Netzwerk Snapchat beteiligt. Sechs Milliarden Videos werden dort täglich vor allem von jungen Leuten geteilt. Doch die Snapchat-Investition ist jetzt weniger wert.

Düsseldorf/San FranciscoDie Euphorie beim Technologie-Investments erfährt einen Dämpfer. Ging es zuletzt für viele bekannte Start-up-Unternehmen bei der eigenen Firmenbewertung nur nach oben, muss unter anderem das soziale Netzwerk Snapchat einen Dämpfer hinnehmen. Die US-Fondsgesellschaft Fidelity hat den eigenen Anteil an der Technologie-Firma um ein Viertel abgeschrieben. Jetzt wird der Wert nur noch mit 34,5 Millionen Dollar angegeben, wie die Analysefirma Morningstar am Dienstag mitgeteilt hatte. Die Financial Times hatte kurz zuvor darüber berichtet.

Im Laufe des Jahres hatte Snapchat eine Finanzierungsrunde abgeschlossen und war dabei mit 16 Milliarden Dollar bewertet worden. Im Mai hatte es geheißen, dass Snapchat bislang insgesamt 1,2 Milliarden Dollar bei Investoren eingeworben habe. Das Unternehmen war 2013 weltweit bekannt geworden, als der Gründer Evan Spiegel ein Übernahmeangebot des Rivalen Facebook im Wert von drei Milliarden Dollar abgewiesen hatte.

Snapchat war ursprünglich mit der Idee gestartet, dass Nutzer darauf „vergängliche“ Nachrichten verbreiten können. Ein Schnappschuss ist dann etwa nur einmal für maximal zehn Sekunden zu sehen. Doch von diesem Konzept hat sich das Unternehmen mittlerweile weitgehend verabschiedet. Gegen Zahlung können Nutzer mittlerweile auch ältere Nachrichten erneut anschauen. Und kürzlich hatte Snapchat seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen auch geändert, um eine breitere Vermarktung der Kundendaten zu ermöglichen.

Die Herabstufung durch Fidelity kommt in einer Phase, da im Silicon Valley die Skepsis unter Investoren wächst, dass die Bewertung der von ihnen finanzierten Unternehmen zuletzt übertrieben gewesen sein könnte. So hatten Fidelity und andere Fonds etwa die Anteile am Cloud-Speicherdienst Dropbox heruntergeschraubt, Fidelity selbst um 15 Prozent. Der Zahlungsdienst Square strebt einen wesentlich niedrigeren Börsenwert an als die zuvor genannte Bewertung als nicht-öffentlich gehandelte Firma betragen hatte.

Weder ein Sprecher für Snapchat noch Fidelity wollten sich gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg zu den Berichten äußern. Fidelity war mit einem Wachstumsfonds über den Kauf von nicht frei handelbaren Aktien im März bei Snapchat eingestiegen.

Die Nutzer der Smartphone-App Snapchat teilen nach Angaben des Unternehmens täglich mehr als sechs Milliarden Videos. Die Zahl habe sich seit dem Frühjahr verdreifacht, so Snapchat am Montag – ohne auf die Gründe einzugehen. Internet-Analyst Rob Enderle sagte, die Zahl sei zwar enorm: „Man muss sich allerdings fragen, was für Videos das sind.“ Viele seien vermutlich zweifelhaft. Und Snapchat falle es schwer, Geld mit den Inhalten zu verdienen, so Enderle.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
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