Finanzaufsicht stößt mit Kritik an der Investmentbranche auf Unverständnis
Fonds lehnen Forderungen nach mehr Transparenz ab

Die deutsche Fondsbranche ist aufgebracht, weil Jochen Sanio, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), mehr Transparenz von ihr verlangt. „Anleger müssen mit mehr Informationen versorgt werden, als dies heute der Fall ist“, sagte Sanio vor Vertretern der Fondsbranche auf einer Veranstaltung in Frankfurt.

FRANKFURT/M. Der BaFin–Chef sprach unter anderem die Vertriebsprovisionen an. Es geht um den Teil der jährlichen Managementgebühr, der von der Anlagegesellschaft an den Vertrieb gezahlt wird. Im Blickpunkt stehen außerdem die beim Handel in den Wertpapier-Portfolios anfallenden Transaktionskosten. Darüber hinaus geht es um die Umschlaghäufigkeit, das heißt die Häufigkeit des Handels in den Portfolios. Die BaFin wollte die Äußerungen Sanios auf Nachfrage des Handelsblatts nicht konkretisieren.

Der Fondsverband BVI zeigte Unverständnis über die Forderungen Sanios. „Wir haben die transparentesten Kapitalanlageprodukte. Da sollte man sich lieber mit den Anbietern von Zertifikaten und Versicherungen auseinandersetzen“, sagte ein Sprecher. Ähnlich denkt Jens Kleine, Professor für Finanzdienstleistungen an der Steinbeis–Hochschule in Berlin: „Man darf sich fragen, ob man nicht vielmehr bei anderen wichtigen Kapitalmarktprodukten das niedrige Offenlegungsniveau erhöhen sollte.“

Der BVI sieht sich mit seinem Verhaltenskodex gut gerüstet. Alle Mitgliedsgesellschaften haben die so genannten Wohlverhaltensregeln, eine Verpflichtung zum jederzeitigen Handeln in Sinne des Anlegers, akzeptiert. „Die sollte man per Rechtsverordnung für allgemein gültig erklären, wie wir fordern – dann müssten sich auch Nicht-BVI-Mitglieder daran halten.“

Der Kodex verlangt auch die Angabe von Gebühren. Kern ist hier die Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio, TER), die neben der Managementgebühr weitere Kostenposten wie Aufwendungen für Wirtschaftsprüfer enthält. Darüber hinaus werden erfolgsabhängige Gebühren, die einige Fonds fordern, ausgewiesen.

Manche Experten zweifeln am Sinn weiter gehender Veröffentlichungspflichten, etwa beim Vertriebsanteil an der Managementgebühr. Vom Fondsverband BVI heißt es: „Eine Veröffentlichung wäre wenig sinnvoll, weil dann alle Vertreiber den jeweils gezahlten Höchstsatz haben wollen. Das würde die Gebühren weiter nach oben treiben“. Achim Küssner, Leiter des Deutschlandgeschäfts von Merrill Lynch Investment Managers, sagt dazu: „Bei den Vertriebsprovisionen gibt es eine große Spanne, denn jede Gesellschaft hat mit ihren einzelnen Vertriebsfirmen separate Verträge geschlossen.“ Auch Matthias Koss, Geschäftsführer der Researchfirma Fonds Advice, urteilt: „Es sollte der Anlagegesellschaft überlassen bleiben.“

Beim Thema Umschlaghäufigkeit sind sich viele einig. „Das würde nur zu Fehldeutungen einladen. Hoher Umschlag bei gutem Ertrag wäre besser als geringer Umschlag bei schlechter Rendite“, sagt ein Berater. Analyst Koss zweifelt ebenfalls am Sinn einer Offenlegung. Er ergänzt jedoch, steigende Portfolioaktivität erhöhe die Transaktionskosten. „Und die in den Gesamtkosten nicht enthaltenen Transaktionskosten sollten ausgewiesen werden“, sagt Koss von Fonds Advice. Eine genaue Ermittlung sei schwierig, „aber eine Schätzung wäre besser als nichts“, meint der Analyst.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%