Fonds-Anleger
Millionenverluste nach Teldafax-Pleite

Die Debi Select-Fonds warben mit attraktiven Zinsen und hochsicheren Geldanlagen. Herausgekommen sind hochriskante Geldströme, auch an den Energiepleitier Teldafax. Die Anteile sind inzwischen fast nichts mehr wert.
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DüsseldorfDer ehemalige Teldafax-Großinvestor, Debi Select, wird zum Millionengrab für seine Anleger. 9200 von ihnen warten seit August auf die vertraglich vereinbarten monatlichen Ausschüttungen. In Internetforen sprechen sie von „Hinhaltungen“, „Märchen“ und „Lügen“. Jetzt haben sie ein Schreiben von Debi Select erhalten, das ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Der Wert ihrer Anteile, ursprünglich 115 Millionen Euro, ist um 90 Prozent gefallen. Für die nächsten viereinhalb Jahre sind weder Verzinsungen noch Kapitalrückführungen möglich. Sollten die Anleger doch darauf bestehen, käme es zum Zusammenbruch der Fonds und zur Insolvenz.

Der Skandal um den inzwischen insolventen Billigstromanbieter Teldafax ist damit um ein Kapitel reicher. Die Debi Select Fonds hatten mit Renditeversprechungen von acht Prozent gelockt. Das Geld, das hochsicher investiert werden sollte, floss über Umwege an Teldafax und dann an mit Teldafax verbundene Unternehmen.

Der Geschäftsführer von Debi Select, Josef Geltinger will davon erst aus der Zeitung erfahren haben. Verantwortlich für den Geldfluss sei Geltingers ehemaliger Wirtschaftsprüfer Michael Josten. Josten war zugleich Aufsichtsratschef von Teldafax und wurde 2007 wegen Anlagebetrugs in einem anderen Fall verurteilt. Auch dies, sagt Geltinger, war ihm vor der Zeitungslektüre unbekannt.

Selbst nach Veröffentlichung der Zusammenhänge zwischen Debi Select und Teldafax durch das Handelsblatt im November 2010 wurde die wahre Lage der Fonds verschleiert. Geltinger leistete sich als Geschäftsführer von Debi Select zwei PR-Agenturen, die ihn als Retter darstellten. Im Frühjahr vermeldete Geltinger, es sei ein russischer Investor gefunden, der ihm die Teldafax-Anteile abgenommen habe. Damit seien die Fonds stabilisiert und die Gelder der Anleger sicher.

Doch die Geschichte bekam schnell Risse. Die neuen Inhaber von Teldafax dementierten, Geltinger je einen Kaufpreis gezahlt zu haben. Geltinger wollte die Debi Fonds dann in einen anderen Fonds in Liechtenstein überführen. Doch die dortige Finanzmarktaufsicht wurde hellhörig, untersuchte den neuen Fonds, und schloss ihn. Ende 2011 präsentierte Geltinger einen neuen Retter für Debi Select: Der arabische Investor Prime Delta. Dieser sei bereit, 250 Millionen Euro in gemeinsame Projekte zu investieren, 110 Millionen davon sollten an Debi Select fließen. Am 19. Dezember 2011 schrieb Geltinger seinen Anlegern, die Ausschüttungen würden noch vor Weihnachten wieder aufgenommen. Als Geschäftspartner nannte Geltinger einen Mann namens Khalifa Ahmad Khalifa Bin Hadi Alqemz.

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Ein Rechtsanwalt legt offen, wo das Geld geblieben ist

Kommentare zu " Fonds-Anleger: Millionenverluste nach Teldafax-Pleite "

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  • @anonymus_007
    Das frage ich mich natürlich auch!

    Das Problem ist jedoch nicht die BAFin. Das Problem ist, wie kann der Bürger vor der Regierung geschützt werden.

    Die BAFin ist ja kein CDU-Gebilde. Sie ist ja nach der geistigen Anschauung eines SPDlers geschaffen worden. Und in dieser Denke gab es den Begriff der Geldanlage nicht. Deshalb erstreckt sich ja auch der Einlagenschutz nur auf Tagesgeld und Sichteinlagen bei Banken und dies bis 100TEuro. Der Rest der Altersvorsorge kommt ja aus der Pension.

    So läuft der Hase. Dessen müssen wir uns bewußt sein.

  • @Mazi
    und wer schützt die Anleger vor der BAFin?!
    Die BAFin prüft nur formal. Ob die Versprechungen in den Hochglanzprospekten je erfüllbar sind, ist der BAFin s....egal!
    Das einzige was helfen könnte, wäre das Einführen eines Schulfachs über die Funktionsweise des Finanzmarkts. Aber das ist natürlich nicht gewollt. Man könnte dann den Leuten nicht mehr so einfach das Geld aus der Tasche ziehen.

  • @anonymus_007
    Dagegen schützen 2.000 Bedienstete der BAFin in Bonn.

    Wenn Sie der Meinung sind, dass die Anleger eben von dieser BAFin nicht geschützt werden, dann nehmen diese 2.000 Bedienstete in dieser BAFin täglich ebenfalls nochmals einen kräftigen Schluck aus der gleichen Pulle.

    Oder verbraten die etwa ihre Arbeitszeit damit, die Konten der Anleger nochmals zu durchstöbern? Die Häufigkeit der Kontenabfragen lassen jedenfalls darauf schließen.

    Die BAFin scheint ihre tatsächliche Aufgaben so auszufüllen wie der Verfassungsschutz.

    Schäuble scheint, wenn er das Thema jemals im Griff hatte, das ganze entglitten zu sein.

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