Fonds-Wissen
Die Grenzen der Fondsmanager

Investmentfondsmanager dürfen nicht immer so handeln, wie sie gern würden. Denn nicht nur die Fondsgesellschaften grenzen mit den jeweiligen Strategievorgaben die Handlungsfreiheiten eines Fondsmanagers ein. Auch der Gesetzgeber schreibt zum Teil vor, was sie dürfen und was nicht.

HB DÜSSELDORF. Fondsmanager müssen nicht nur die Börsenmärkte gut kennen, sondern auch die Gesetzbücher. Denn jeder Investmentfonds unterliegt bestimmten Anlagerestriktionen, die in dem Land gelten, in dem der Fonds aufgelegt wird. Die Anlagerichtlinien für deutsche Investmentfonds sind umfangreich, sie machen einen Großteil des Investmentgesetzes aus (www.bundesrecht.juris.de).

Hintergrund für die Einmischung der Legislative in Börsenangelegenheiten ist der Wunsch, Anlegern per Gesetz einen Mindeststandard zu garantieren, wenn es um die Anlagepolitik von Fonds geht. So sorgen die gesetzlichen Anlagerichtlinien beispielsweise dafür, dass jeder Aktien- oder Rentenfonds eine gewisse Mindest-Risikostreuung hat und keine unüberschaubaren Risiken eingeht. Leerverkäufe - also der Verkauf von geliehenen Wertpapieren mit dem Ziel, sie später günstiger zurückzukaufen - sind in Deutschland zum Beispiel komplett verboten.

Sogenannte 130-30-Fonds, bei denen Leerverkäufe fester Bestandteil der Investmentstrategie sind, setzen deshalb in Deutschland Optionen als Ersatz ein. Deren Einsatz ist für die meisten Fonds immerhin in eingeschränktem Rahmen möglich. Auch Total-Return-Fonds nutzen gezielt solche Finanzderivate, um Risiken besser zu steuern. Für Hedgefonds gibt es noch einmal weiter gefasste Richtlinien, die über die Möglichkeiten hinausgehen, die für normale Publikumsfonds gelten.

Die wichtigsten gesetzlichen Anlagerichtlinien im Überblick

- Ein Fonds darf nur Wertpapiere kaufen, die an einem organisierten Markt gehandelt werden, der international anerkannt und für das Publikum offen ist. Ausnahme: Bis zu zehn Prozent des Fondsvermögens dürfen in nicht börsennotierte Wertpapiere investiert werden.
- Edelmetalle und Zertifikate über Edelmetalle dürfen von der Kapitalanlagegesellschaft für ein Sondervermögen nicht erworben werden.
- Eine Investmentgesellschaft darf maximal fünf Prozent des Fondsvermögens in Wertpapiere desselben Ausstellers investieren. In Ausnahmefällen sind bis zu zehn Prozent möglich. Diese dürfen dann jedoch zusammen nicht mehr als 40 Prozent des gesamten Fondsvermögens ausmachen.
- Ein Investmentfonds darf auch Anteile anderer Investmentfonds erwerben. Einschränkung: Fonds dürfen höchstens 20 Prozent ihres Anlagevermögens in einen einzelnen Fonds investieren. Gleichzeitig darf ein Fonds maximal 25 Prozent der Anteile eines anderen Fonds erwerben.
- Dachfonds dürfen nur in solche Zielfonds investieren, die wiederum maximal zehn Prozent ihres Vermögens in andere Fonds investieren.
- Der Einsatz von Finanzderivaten ist grundsätzlich erlaubt. Die Fondsgesellschaft muss allerdings sicherstellen, dass sich das Marktrisikopotential eines Fonds durch den Einsatz von Finanzderivaten nicht mehr als verdoppelt.
- Leerverkäufe sind nicht erlaubt. Es dürfen also keine Wertpapiere verkauft werden, die nicht Teil des Fondsvermögens sind.
- Um den Einfluss von Kapitalanlagegesellschaften auf die Unternehmenspolitik von Aktiengesellschaften einzuschränken, dürfen Kapitalanlagegesellschaften mit allen ihren Fonds maximal bis zu zehn Prozent der Stimmrechte einer einzelnen Aktiengesellschaft erwerben.

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