Fuchs-Briefe
Gericht schürt Zweifel an Finanzvergleichen

Anlageberater werben damit und Geldanleger richten sich danach: Der Vermögensverwaltertest der Fuchsbriefe. Ein aktuelles Urteil wirft aber kein gutes Licht auf die Qualität der Tests.
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DüsseldorfWer sein Vermögen einem Berater anvertraut, möchte gerne auf Nummer sicher gehen. Ist der Verwalter seriös? Mehrt er das Vermögen oder zockt er sinnlos damit herum? Und vor allem: Beherrscht der Verwalter sein Handwerk?

Mehrere Rankings sollen ratsuchenden Vermögenden den Weg zu den besten Verwaltern weisen. Eins davon ist das TOP 2011 Jahresranking der Berliner Fuchs-Briefe. Ein aktuelles, noch nicht rechtskräftiges Urteil des Landgerichts Berlin weckt jetzt allerdings Zweifel an der Arbeitsweise der Tester (Az. 27 O 166/11).

Vor dem Gericht unterlag der Verlag Hans Fuchs gegen die Münchener Honorarberatung Best Advice. In dem aktuellem Vergleich vergaben die Fuchsbriefe in der Kategorie Vermögensstrategie null Punkte für die Münchener. Der Haken: Best Advice hat, so stellte es das Gericht jedenfalls am Ende fest, den Testern aus dem Hause Fuchs gar keine Strategie erstellt. Da Best Advice nur Honorarberatung anbietet, werden geldwerte Ratschläge eben nur gegen Bezahlung gegeben.

Das nicht rechtskräftige Urteil zum herunterladen

In diesem Falle sollten die Empfehlungen 1.500 Euro kosten. Das Geld haben die Fuchsbriefe laut Urteilsbegründung aber nicht gezahlt, die Beraterin hatte deshalb auch keine Beratung geleistet.

Wenn ein Presseorgan mit seinen „Äußerungen den Boden sachlich nicht gerechtfertigter Kritik verlässt“, habe es nicht das Recht auf eine freie Meinungsäußerung in der Form, schrieben die Richter in der Urteilsbegründung. Entsprechende Beurteilungen müssten „neutral vorgenommen“ und „objektiv“ sein. Unter diesen Vorgaben sei das Vorgehen der Fuchsbriefe „nicht mehr vertretbar“.

Ralf Vielhaber, Herausgeber und Chefredakteur der Fuchsbriefe, hält dagegen: „Selbstverständlich gab es für die Wertung eine Grundlage, die wir in unseren Stellungnahmen auch ausführlich erläutert haben“, sagt er. „Hier teilen wir die Auffassung des Gerichts nicht und überlegen, dagegen vorzugehen.“

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Ordnungsgeld und Ordnungshaft angedroht

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  • Dieser Fall stellt m. E. nach nur die Spitze des Eisbergs dar.

    In Deutschland ist eine regelrechte Vergleichs- und Zertifikate-Manie ausgebrochen. Mittlerweile gibt es kaum noch einen bekannten Anbieter, dessen Produkt nicht irgendwo einen Test gewonnen hat.

    Es wird allerhöchste Zeit, endlich auch mal die Tester selbst unter die Lupe zu nehmen, denn deren Ergebnisse sind nie 100%-ig korrekt und manchmal eben auch noch nicht einmal zu 80%. Das gilt sogar für die ehrwürdige Stiftung Warentest oder deren Ableger Finanztest.

    Auf Grund der hohen Auswirkung auf das Verbraucherverhalten gilt es, die Verbraucher TEST-kritischer zu machen und zu verdeutlichen, dass ein Test niemals 100%-ig neutral sein kann, weil bereits die Testkriterien zu Ungleichgewichten führen können.

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