Geldanlage
Hilfe, mein Fondsmanager ist weg!

Im Schnitt verlieren erfolgreiche Fonds deutlich, wenn der Fondsmanager geht. Für viele Anleger ein teures Problem. Doch nicht jeder Wechsel muss schlecht sein. Zehn Dinge, die Anleger unbedingt wissen sollten.
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KölnVon 1994 bis Mitte 2000 war er einer der besten Fonds seiner Klasse. Doch dann wechselte der Fondsmanager. Fast zeitgleich mit dem Weggang des Spitzenmanagers verloren die Fondsanteile an Wert. Bis Anfang 2003 halbierte sich der Rücknahmekurs des ABN Amro Europe Equity. Zugegeben: Zu dieser Zeit platzte die Technologieblase und viele Märkte brachen ein. Doch auch die relative Performance des Fonds verschlechterte sich zunehmend: Hatte Fondsmanager Anko Beldsnijder zuvor kontinuierlich einen Mehrwert gegenüber seinem Vergleichsindex erzielt, lag die Fondspreisentwicklung nach seinem Ausscheiden kontinuierlich unter der Performance der Benchmark. Die Differenz lag 2003 bereits bei etwa fünf Prozentpunkten, bis 2007 schnitt der Fonds gegenüber dem Dow Jones Performance 600 Index um mehr als 20 Prozentpunkte schlechter ab.

Fondsmanagerwechsel sind für Anleger ärgerlich: Liegt endlich ein Papier im Depot, bei dem die Performance passt, beschäftigen sich die Meisten ungern mit der Frage, ob man den Titel abstoßen soll. Selbst Profis stehen vor einem Dilemma: Wird der Nachfolger an die gute Performance anknüpfen können? Oder ist es besser, das Papier zu verkaufen? Ratingagenturen wie Feri setzen in solchen Fällen für einige Monate die Bewertung aus. Der Konkurrent Morningstar bewertet das Portfolio kontinuierlich weiter. Anleger bleiben mit ihren Fragen allein.

Regel Nummer eins: Bei erfolgreichen Managern lohnt es sich oft, auszusteigen.

2009 hat eine bisher kaum bekannte Studie erstmals die Auswirkungen von Fondsmanagerwechseln auf die risikoadjustierte relative Wertentwicklung untersucht. Dafür wurden 3.946 US-amerikanische Aktienfonds von 1992 bis 2007 unter die Lupe genommen. Die Experten arbeiteten dabei jeweils die besten und die schlechtesten Portfolios eines Jahres heraus und verglichen die Erfolge in der Folgeperiode. Während dieser Zeitspanne kam es bei allen Portfolios zusammen zu insgesamt 6.444 Fondsmanagerwechseln. Ergebnis: Ein erfolgreicher Fonds büßt nach einem Weggang des Portfolioverantwortlichen in der Folgeperiode im Schnitt 3,6 Prozentpunkten ein.

Dabei verloren Fonds, die zuvor sehr erfolgreich verwaltet wurdenund hohe Mittelzuflüsse erfuhren, im Durchschnitt 2,5 Prozentpunkte mehr als Fonds ohne größere Mittelbewegungen. Der Fondsmanagerwechsel sorgte zudem auf Jahressicht für ein um 1,4 Prozentpunkte schwächeres Ergebnis als bei erfolgreichen Fonds ohne Fondsmanagerwechsel. Der Performancebegriff der Studie ist vergleichbar mit dem Mehrwert gegenüber der Benchmark. Wolfgang Bessler, David Blake, Peter Lückoff und Ian Tonks haben die Analyse im Auftrag des britischen Pensions Institute erstellt.

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  • Jeder "Normalanleger", der sich der Fondsanlage nähern oder diese effektivieren möchte, wird in diesem Artikl soviel widerstreitende Beispiele finden, die alle hier aufgestellten regeln ad absurdum führen.
    Deshalb ist es umso bedauerlicher, dass die Alternative der Indexfonds und die entsprechenden Studien von Wissenschaftlern wie beispielsweise Prof. Martin Weber über das Verhältnis "erfolgreicher" zu - nicht den jeweiligen Vergleichsindex schlagenden - erfolglosen gemanagten Fonds nicht einmal erwähnt wurden.

  • Inzwischen dürfte doch dem letzten klar sein, das aktiv gemanagte Fonds von Deka, UnionInvestment, DWS usw. kein Investment wert sind. Alle Studien belegen, dass aktives Fondsmanagement längerfristig keine Outperformance gegenüber einem Index erzielt. (höchstens mal temporär -dem Zufall geschuldet) Anleger zahlen also hohe Gebühren auch für Fehlentscheidungen. Die Fondsmanager können die Zukunft nicht vorhersehen und sollten besser etwas produktives für die Gesellschaft tun. Wenn Fonds, dann immer ETF-Fonds (ohne Fondsmanager). Preiswerter und vor Fehlentscheidungen der N in Nadelstreifen geschützt.

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