Handicap durch gesunkene Risikobereitschaft der Anleger
Aussichten für Nebenwerte trüben sich ein

Es ist so etwas wie ein Naturgesetz: Wird es an der Börse brenzlig, verkaufen Anleger immer dort zuerst, wo sie die höchsten Risiken vermuten. Ganz besonders dann, wenn sie in diesem Markt zuvor überdurchschnittliche Gewinne erzielt haben.

HAMBURG. "Genauso war es auch diesmal", sagt Christian Zimmermann mit Blick auf die zum Teil recht kräftigen Verluste europäischer Nebenwerte im Oktober. Der von ihm betreute Activest Europa Potenzial büßte dadurch knapp sechs Prozent ein. Mit einem Zwölf-Monats-Plus von 60,27 Prozent liegt der Fonds aber weiter mit großem Abstand vor anderen Produkten mit Schwerpunkt bei Nebenwerten (siehe Tabelle).

Da das nahende Jahresende die Risikobereitschaft zusätzlich dämpft, sind Zimmermanns Erwartungen für die kommenden Wochen verhalten: "Bis auf weiteres dürften sich Small Caps kaum besser entwickeln als die großen Standardwerte", sagt er. Gleichwohl gebe es nach wie vor attraktive Firmen, und der Activest-Manager nutzte die Flaute, um sein Portfolio neu zu sortieren. Die Zahl der gehaltenen Papiere verringerte Zimmermann dadurch auf 78.

Lorenzo Carcano, der Manager des auf Rang zwei platzierten Metzler Euro Small Cap, sieht Nebenwerte auch 2006 nicht automatisch wieder auf der Siegerstraße: "In vielen Fällen sind die Gewinnerwartungen zu hoch." Dennoch vertraut auch Carcano darauf, dass er aus dem ihm zur Verfügung stehenden Universum von mehr als 1 000 Einzelwerten ein attraktives Portfolio zusammenstellen kann.

An der guten Performance Metzler Euro Small Cap gebührt Carcano ein gehöriger Anteil. Ehe er den Fonds Anfang 2003 übernahm, lag der Fokus kompromisslos auf Wachstumswerte. Die Folge: Anteilseigner erlitten in der Spitze Verluste von über 80 Prozent. Carcano stellte den Auswahlprozess um und orientiert sich jetzt vor allem an der Bewertung eines Unternehmens. "Ich suche Wachstum, aber zu vernünftigen Preisen", sagt der Metzler-Manager, der auch gerne gegen den Strom schwimmt: "Titel wie Bilfinger oder Rheinmetall, die fast jeder im Depot hat, meide ich nach Möglichkeit", sagt er. Die meisten seiner größten Positionen - unter anderem die Zeitarbeitsfirma USG People, der Tankschiff-Betreiber Euronav, der Finanzdienstleister Immoeast Immobilien und der Telekomanbieter Completel - dürften nur Insidern ein Begriff sein.

"Mit europäischen Nebenwerten den Markt zu schlagen wird schwieriger", sagt Wolfgang Kaiser von der Münchner Analysegesellschaft Fondsconsult. Trotzdem bleibe ein aktiv gemanagter Small-Cap-Fonds wie der Activest Europa Potenzial eine sinnvolle Depotbeimischung. Auch den Metzler Euro Small Cap sieht Kaiser nach dem Managerwechsel "auf einem guten Weg".

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