Hedge-Fonds-Manager
Schlechte Zeiten, gute Zeiten

Selbst Schadenfreude macht in diesen finsteren Zeiten keinen richtigen Spaß. So zynisch die Finanzwelt normalerweise auf das Schicksal hochbezahlter Manager, die Haus und Yacht verkaufen müssen, reagiert hätte, in diesen Tagen der Kernschmelze an den Kapitalmärkten bestimmt gnädiges Mitleid das Bild. Schließlich könnte jeder das nächste Opfer sein.

LONDON. John Devaney ist der Chef der Hedgefonds-Firma United Capital Markets mit Sitz im sonnigen Miami. Derzeit dürfte Devaney allerdings kaum Sinn für die vielfältigen Reize seines Wohnortes haben, schließlich gehört er zu den immer zahlreicheren Opfern der großen Immobilienkrise in den Vereinigten Staaten. Wie so viele Konkurrenten verspekulierte sich sein Fonds Horizon am Markt für riskante Hypotheken – und Devaney erlitt die empfindlichsten Verluste seiner Karriere. Horizon verlor im Juni 2007 mehr als 30 Prozent an Wert und glaubt man den Spekulationen an den Märkten, dann sah der Juli nicht viel besser aus. Das ist nicht nur für die Anleger, sondern auch für den ehrgeizigen Fondsmanager selbst eine Katastrophe, denn Devaney soll 100 Millionen Dollar seines eigenen Geldes in den Fonds investiert haben.

Das schmerzt. Schweren Herzens musste sich der Fondsmanager bereits von seiner 45-Meter-Yacht trennen. Das millionenschwere Boot kreuzte ironischerweise unter dem Namen „Carried Interest“ durch die warmen Gewässer vor Florida. „Carried Interest“, nennt man in der Sprache der Finanzmärkte die Gewinnbeteiligung der Manager am Erfolg ihrer Fonds. In diesem Fall handelte es sich allerdings eher um eine Verlustbeteiligung.

Sein Haus im noblen Skiort Aspen mit einem Marktwert von knapp 17 Millionen Dollar muss Devaney ebenfalls auf den Markt werfen. Aber damit nicht genug, auch Rolls-Royce, Privatjet und Renoir sollen unter den Hammer kommen.

„Devaney ist lange nicht der einzige in der Hedge-Fondsgemeinde, der plötzlich seinen gewohnten Lebensstil drastisch in Frage gestellt sieht“, meint ein Londoner Vermögensverwalter, der ein Portfolio von Hedge-Fonds betreut. „Wir beobachten derzeit mehr als ein Dutzend Fonds, die um ihr Überleben kämpfen.“

Das ist die eine Seite der Hedge-Fondswelt. Die Seite, die von Pleiten, Pech und Pannen geprägt ist. Besonders hart traf es in den vergangenen Wochen Fonds, die ähnlich wie Horizon auf eine Erholung des amerikanischen Immobilienmarktes gewettet hatten. In diese Klasse fallen auch die beiden Fonds der Investmentbank Bear Stearns, mit deren Schieflage die große Krise Mitte Juni begann. Aber längst sind auch andere Hedge-Fonds unter die Räder geraten. Zuletzt machten die heftigen Verluste von sogenannten quantitativen Fonds Schlagzeilen, für deren Investments nicht Händler, sondern ausgeklügelte mathematische Modelle und Computerprogramme verantwortlich sind. Am vergangenen Dienstag musste der Platzhirsch unter den großen Investmentbanken, Goldman Sachs, kleinlaut schwere Verluste bei mehreren quantitativen Fonds einräumen. Aber auch andere Stars der Branche wie die Firma Renaissance Technololgies des ehemaligen Mathematikers und Multimilliardärs James Simons standen plötzlich auf der Verliererseite.

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