Hedge-Fonds
Stochern im Nebel

Die weltweite Finanzmisere hat die sonst so selbstbewusst und zielgerichtet auftretende Hedge-Fonds-Branche stark verunsichert. Selbst erfahrene Manager dieser neuen Art der Finanzinvestition sind von der Intensität und Breite der Krise überrascht. Derzeit streiten sich die Hedge-Fonds Pioniere über den Zeitpunkt der Wende an den Finanzmärkten.

FRANKFURT. Einige Hedge-Fonds sind sowohl an den Aktien- als auch an den Bondmärkten zu früh auf die Long-Seite - also auf die Seite der Optimisten - gewechselt und sitzen daher heute auf hohen Verlusten. Die anderen, die auf günstige Einstiegschancen gewartet haben, sind trotz der jüngsten Stabilisierung Finanzmärkte noch immer nicht bereit, konsequent auf eine Wende zu setzen.

"Bargeld ist Trumpf", sagt Howard Marks, Chairman von Oaktree Capital Management, der die Notwendigkeit sieht, genügend Liqquidität für sich in Zukunft bietende Kaufgelegenheiten auf der hohen Kante zu haben. Selbst erfahrene Hedge-Fonds-Manager wie Robert C. Watson, Gründer und Chairman von Lyster Watson in New York, zeigen sich von der Intensität und Breite der Krise überrascht. Ähnlich wie Watson lässt auch Marks kein gutes Haar an der Geldpolitik der US-Notenbank, der Wirtschaftspolitik der US-Regierung und dem "Kreditwahn der Banken".

Watson fühlt sich bei einer Analyse der Finanzmärkte und der Weltwirtschaft an die 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts erinnert. "Es gibt zahlreiche Parallelen", sagt er. Sowohl Watson als auch Marks glauben, dass die auf Unsicherheiten bestehende hohe Schwankungsbreite an den Finanzmärkten anhalten wird. "Hat sich der Nebel dann im Jahresverlauf erst einmal gelichtet, wird der Markt unzählige Investmentchancen erkennen und nutzen", sagt Watson.

In den Startlöchern stehen dabei vor allem jene Hedge-Fonds, die die Strategie "Distressed Securities" verfolgen, also Wertpapiere von in finanziellen Notlagen befindlichen Unternehmen erwerben. "Wir sind noch nicht am Wendepunkt angelangt", sagte Marks am Rande des Investmentforums der Spängler-Bank. Dieser Zeitpunkt sei erst gekommen, wenn die Zahl der Unternehmens-Insolvenzen kräftig steigt. Experten erwarten dies schon für die nächsten Wochen und Monate. Diane Vazza, Leiterin des Bond-Researchs von Standard & Poors, sieht die Gefahr, dass die Zahl der Unternehmenspleiten "signifikant" steigen wird. Im ersten Quartal 2008 hat die Expertin 17 Pleiten von Bondemittenten - nach nur sechs im gleichen Zeitraum 2007 - gezählt.

Hoch verschuldete Unternehmen in konjunkturzyklischen Industriezweigen wie Bau, Immobilien und Einzelhandel dürften in Kürze nicht mehr in der Lage sein, ihren Schuldendienst zu leisten, sagt Jon Moulton von Alchemy Partners, einem britischen Alternativ-Investment-Haus. Doch auch Moulton ist sich über den Einstiegszeitpunkt an den Finanzmärkten nicht im Klaren.

Zunächst einmal werde sich die Lage noch verschlechtern, glaubt er. Da bis zum vollständigen Verschwinden der bei Kreditstrukturen gemachten Dummheiten Zeit notwendig sei, dürften noch mehr Unternehmen in Schwierigkeiten geraten. "Von Woche zu Woche erhöht sich die Zahl der Einstiegschancen", sagt Moulton. Um das Potenzial ausschöpfen zu können, hat sein Haus jetzt einen neuen Distressed-Fonds aufgelegt.

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