Im Geschäft mit "Nachhaltigen Kapitalanlagen" haben die Schweizer Banken die Nase vorn
Geldanlage mit Moral zieht Investoren an

Die Idee vom Investment in Unternehmen, die auch Weitblick in Bezug auf Umwelt und Soziales demonstrieren, begeistert immer mehr Anleger. Doch die Auswahlkriterien bleiben zweifelhaft. Ethik- und Rendite-Versprechen passen längst nicht immer zusammen.

HB DÜSSELDORF. Christoph Butz ist mit dem Jahr 2002 zufrieden: "Während andere Gesellschaften Mittelabflüsse hinnehmen mussten, konnten wir unser Volumen im Bereich Nachhaltige Kapitalanlage um ein Drittel steigern." Der Experte für Nachhaltige Kapitalanlagen bei der Bank Pictet & Cie in Genf verwaltet immerhin 300 Mill. - nicht zuletzt durch den Erfolg des im September gestarteten Fonds Pictet Sustainable Equities Europe, der gut 40 Mill. einsammeln konnte.

Gerade in schlechten Börsenzeiten scheinen Anleger Spielraum zu haben, sich auch um die ethische Dimension ihres Investments Gedanken zu machen. Das Gesamtvolumen nachhaltiger Kapitalanlagen in Deutschland erhöhte sich 2002 trotz Börsenkrise leicht auf 2,6 (2,5) Mrd. , die in rund 70 verschiedenen Fonds investiert sind.

Ein Markt mit Potenzial: In den USA gingen fast ein Drittel aller Neuanlagen in diesen Bereich. "Wir verzeichnen unsere relativ größten Steigerungsraten beim Mittelzufluss im Bereich Nachhaltige Kapitalanlage", berichtet Klaus Riester, Geschäftsführer der Sarasin Deutschland GmbH. Sarasin ist mit einem verwalteten Vermögen von 1,5 Mrd. kontinentaleuropäischer Marktführer auf dem Gebiet.

Nachhaltiges Investment

Dabei ist nachhaltiges Investment heute weit mehr als die gerade in Deutschland oft dafür stehenden Öko-Fonds: Ziel nachhaltiger Kapitalanlage ist die Förderung einer "Entwicklung, welche die Bedürfnisse der heutigen Generation befriedigt ohne künftigen Generationen die Möglichkeit zu nehmen, ihrerseits ihre Bedürfnisse zu decken", lautet die Definition der Nachhaltigkeit durch den Brundtland- Bericht von 1987.

Experten unterscheiden drei Stufen nachhaltiger Geldanlagen: Auf die frühen, rein ethischen Fonds, die auf "sin stocks" ("Sünden-Aktien") wie Tabak, Rüstung, etc. verzichten, folgte eine Welle ökologisch orientierter Fonds, die etwa auf Windenergie und Umwelttechnik setzen. Mittlerweile wird die "nachhaltige Geldanlage" jedoch umfassender verstanden und bezieht das Nachhaltigkeitsdreieck der Brundtland-Kommission ein: Ökologisch, sozial und ökonomisch im Sinne von effizienzsteigernd und ressourcenschonend.

Vorrangig dominiert das Segment eine stabile Nachfrage institutioneller Investoren, berichtet Cécile Heusser vom auf Nachhaltigkeit spezialisierten Vermögensverwalter SAM Sustainable Asset Management in Zöllikon bei Zürich, der 1 Mrd. sfr verwaltet. Große Pensionskassen stehen ständig unter Druck, ihre Gelder nicht nur performancestark, sondern auch sozial verträglich anzulegen. So verwalten die meisten Fondshäuser den größeren Teil ihrer nachhaltigen Kapitalanlagen in Spezialfonds für institutionelle Investoren.

Der öffentliche Druck auf institutionelle Investoren wird von der Politik noch erhöht. So schreibt Artikel 6 a des Zertifizierungsgesetzes für Riester-Verträge vor, dass der Anbieter schriftlich darüber informieren muss, "ob und wie er ethische, soziale und ökologische Belange bei der Verwendung der eingezahlten Beträge berücksichtigt". Zuvor schon hatte das britische Parlament ein Gesetz zu betrieblichen Pensionsfonds ähnlich formuliert. Laut einer Studie des britischen Social Investment Forum, einer Organisation zur Förderung nachhaltiger Geldanlagen, nahmen daraufhin knapp 60 % der britischen Fonds, die fast 80 % des untersuchten Fondsvermögens abdecken, Nachhaltigkeits- Prinzipien in ihre Anlagekriterien auf.

Interesse ist hoch

Auch bei privaten Anlegern ist das Interesse hoch, zumal die Renditen nachhaltiger Investments sich in Börsenbaisse tatsächlich als stabiler erwiesen haben: So verlor der international zusammengesetzte Natur-Aktienindex NAI im vergangenen Jahr zwar rund 14 %, schnitt aber besser ab als etwa der MSCI Weltindex, der rund 16 % zurückging. Zum Vergleich: Der Dax büßte über 40 % ein.

Die Anlage in nachhaltige Investments ist nicht auf klassische Öko-Titel beschränkt. Bei vielen Fonds wählen externe Experten innerhalb bestimmter Branchen die Firmen aus, die ökologischen, ethischen und sozialen Kriterien am besten gerecht werden. Unverdächtig sind meist Finanzdienstleister oder Softwareentwickler. Beispiele aus dem Portfolio von Sarasin sind Swiss Re, Fanny Mae oder Bank of America, aber auch Adobe und SAP, berichtet Catrina Vaterlaus, zuständig für das Portfoliomanagement im Bereich Sustainable Management. Für SAP spreche etwa, dass die Software es allen Firmen ermögliche, effizienter zu wirtschaften. Schon etwas einleuchtender scheint die Wahl der australischen Bank Westpac Banking: Das Institut unterstützt staatliche Umweltprogramme und hat auch seine eigene Autoflotte von Erdöl auf Gas umgestellt.

Eine spezielle Anlagevariante bietet der SAM Sustainable Water Fund, der "für Investitionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette in einem Markt, welcher durch stetige Nachfrage nach Wasser geprägt ist", so der Werbeprospekt. Christoph Butz von Pictet kann darüber nur lächeln: "Wir haben mit dem vor einigen Jahren lancierten Pictet Water Fund den weltweit größten Fonds dieser Art." Und, so Butz weiter: "Wir haben ihn als normalen Fonds aufgelegt, weil die in Frage kommenden Titel wegen Monopolproblematik, Privatisierung und Umweltrisken nicht immer als uneingeschränkt nachhaltig gelten können."

Kritisch sieht auch Heinz-Werner Rapp, Geschäftsführer des Fondsresearchers und Vermögensvewalters Feri Trust das Thema Nachhaltigkeit: "Wir betrachten das mit gemischten Gefühlen, da immer die Gefahr des Etikettenschwindels besteht." Die Auswahl an wirklich unzweifelhaften Nachhaltigkeitstiteln sei so begrenzt, dass davon allein kein größerer Fonds leben könne. Folglich sind Aufweichungen strenger Kriterien stets notwendig. Auch die Performance der Fonds sei häufig nicht sehr überzeugend, so dass der Anleger sehr sorgfältig auswählen müsse. Rapps Fazit: "Man muss schon sehr überzeugt sein, wenn man in solche Fonds investiert." Wenn die Performance in den Keller geht, bleibt dem Anleger also wenigstens ein gutes Gewissen.

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