Indexfonds
Was kostet die Welt?

Börsengehandelte Indexfonds (ETFs) bilden Aktien- und Rentenmärkte günstig ab. Doch bei den Banken sind sie nicht sehr beliebt. Warum sie oft besser als aktiv gemanagte Portfolios sind und worauf Anleger achten müssen.
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Eine gute Woche ist es nun her, dass der US-Ökonom Eugene Fama einen Anruf aus Stockholm bekam. Als er den Hörer auflegt, war er offiziell Träger des Wirtschaftsnobelpreises. Zeit seines Lebens hatte er an Beweisen dafür geforscht, dass Aktienmärkte effizient sind, dass kein Finanzakteur die Märkte dauerhaft schlagen kann. Die Erkenntnisse hätten „vielen vielen Haushalten rund um die Welt geholfen, viel günstiger in Aktienmärkte zu investieren als sie es sonst gekonnt hätten“, sagte Per Strömberg vom Preiskomitee. Tatsächlich: Dank Famas Forschung gibt es heute sogenannte Indexfonds, die den Wert von Aktienindizes wie dem Dax abbilden.

Einfach, kostengünstig und transparent – auch Verbraucherschützer loben börsengehandelte Indexfonds oder Exchange Traded Funds (ETFs) in höchsten Tönen. Sie hätten eigentlich das Zeug zum „Volksfonds“. Ihr Prinzip ist einfach: Sie bilden Aktienmärkte wie zum Beispiel den Dax eins zu eins ab. Anleger können die Wertentwicklung anhand der Börsenstände in den Medien nachverfolgen. Einfacher kann Geldanlage nicht sein. „Jeder kann mit ETFs auf einen breit gestreuten Markt Vermögen aufbauen“, sagt Professor Martin Weber vom Lehrstuhl für Finanzwissenschaft in Mannheim.

Mit ETFs können Anleger auch langfristig sparen und sogar fürs Alter vorsorgen. Sie sind ein Zwitter zwischen Aktien und Fonds - und vereinen die Vorteile beider Welten in einem Produkt. Niedrige Kosten und die strenge Aufsicht durch die Behörden sprechen für ETFs: bei ihnen handelt es sich rein rechtlich gesehen um Sondervermögen, das auch bei der Pleite des Emittenten geschützt ist und den strengen Regeln des Investmentgesetzes unterliegt.

Doch bevor Anleger mit Investments in ETFs starten, sollten sie sich Gedanken über ihre Ziele und ihre Risikobereitschaft machen. Nur dann können sie die passenden Produkte finden. Dazu gehört zunächst die Frage, wie viel Rendite sie erwarten und welche Verluste sie bereit sind, in schlechten Zeiten zu akzeptieren. Danach kann es losgehen – am besten mit einem ETF, der einen breiten Aktienmarkt wie den Euro Stoxx 50 abbildet, wie Kapitalmarktexperte Weber empfiehlt.

Wer es ausgefeilter mag, dem rät Wissenschaftler Weber, das Kapital jeweils zu einem Drittel auf Aktien, Anleihen und Rohstoffen aufzuteilen. Dieser Mix hat sich nach den Berechnungen britischer Wissenschaftler langfristig bewährt.

Obwohl die Vorteile von ETFs auf der Hand liegen, spielen sie in den Portfolios von Privatanlegern noch keine große Rolle. Sie sind hier zu Lande eine Domäne institutioneller Anleger wie Pensionsfonds oder Versicherungen. Die Idee zu börsengehandelten Indexprodukten stammt ursprünglich aus der Fondswelt. Sie sollten Anlegern einen kostengünstigen Zugang zu Aktienmärkten ermöglichen. So brachte die amerikanische Vermögensverwaltung State Street Global Advisors bereits 1970 ein erstes Produkt auf den Markt, das den Aktienindex S&P 500 abbildet. Es ist inzwischen auch hierzulande erhältlich und mit fast 100 Milliarden Dollar der größte börsengehandelte Indexfonds der Welt.

Kommentare zu " Indexfonds: Was kostet die Welt?"

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  • Es gibt sehr wohl echte Rohstoff-ETFs (ETF090, DBX1LC, ...). Da natürlich schlecht ein Rohstoffkorb direkt abgebildet werden kann, sind diese alle swap-basiert.

  • Es gibt zwar Unterschiede zwischen replizierenden und swap-basierten ETFs aber das ändert nichts an der Tatsache, dass ETFs immer Sondervermögen sind.
    Bei swappenden ETFs weicht zwar der vom ETF gehaltene Wertpapierkorb vom abgebildeten Index ab, dennoch sind diese Wertpapiere Sondervermögen. Die mögliche negative Differenz zwischen der Wertentwicklung des Wertpapierkorbs und des Index wird dann von einem Swapgeschäft (Zertifikat) beglichen (der Wert des Swaps darf aber niemals 10% des ETF-Wertes überschreiten - meist ist der Swap-Wert sogar negativ).
    Also bitte erst informieren bevor man hier so einen Unsinn verbreitet.

  • Achtung Fehler in diesem Artikel: ETF sind nicht automatisch Sondervermögen (wie z.B. Aktienfonds) und somit nicht vor Insolvenz des Emittenten geschützt. Die allermeisten ETF haben nicht pysisch die Aktienbeteiligungen gekauft sonder bilden durch Zertifikate den Index nach!!! Bei Aktienfonds ist der Anleger über den Fonds stets mit dem Sondervörmögen Anteilseigner an den beteiligten Unternehmen. Blinde Empfehlung von ETF an Privatanleger extrem fahrlässig. Mich erinnert diese ETF Hausse an den Zertifikaten Hype (Lehman Brother lässt grüssen...)

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