Insiderskandal
Informantin überführte Hedge-Fonds Galleon

Ausgerechnet eine ehemalige Mitarbeiterin soll den US-Hedge-Fonds Galleon zu Fall gebracht haben. Die Zeugin, die den Behörden Informationen über heikle Geschäfte von Galleon-Gründer Raj Rajaratnam zugespielt hat, heiße Roomy Khan, berichten mehrere US-Medien übereinstimmend. Khan zapfte für die Ermittler Telefonate mit dem Hedge-Fonds-Gründer an.

NEW YORK. Die Aktienhändlerin Roomy Khan aus dem kalifornischen Atherton habe Ende der 1990er Jahre kurzzeitig für Galleon gearbeitet und im Jahr 2005 wieder bei Rajaratnam anheuern wollen, weil sie finanzielle Schwierigkeiten gehabt habe. Rajaratnam stellte sie zwar nicht wieder ein, aber in den folgenden zwei Jahren belieferte sie ihn immer wieder mit Insider-Informationen über Google, Hilton und Polycom, heißt es in einer der Klageschriften. Rajaratnam habe damit 13 Mio. Dollar an Gewinnen machen können, bei Khan selbst waren es Gewinne von 1,5 Mio. Dollar.

Rajaratnam und fünf Komplizen, unter anderem Manager von McKinsey und Intel, waren am vergangenen Freitag festgenommen worden. Sie werden beschuldigt, sich durch die Weitergabe und den Handel mit vertraulichen Informationen über mehrere Jahre hinweg illegal Gewinne im Umfang von 20 Mio. Dollar verschafft zu haben. Es ist der größte Insiderhandel-Skandal eines Hedge-Fonds in der Geschichte der Wall Street.

Die 51-Jährige Roomy Khan kooperiert seit November 2007 mit den Ermittlern, nachdem die New Yorker Börse ungewöhnliche Aktivitäten im Handel mit Aktien des Chipherstellers AMD registrierte und die Behörden alarmierte. Khan habe sich schuldig bekannt und hoffe so auf eine mildere Strafe, hieß es.

Sie soll vier Telefongespräche mit Rajaratnam angezapft und ihn belastet haben. In den Gerichtsunterlagen taucht die Informantin nur als "Tipper A" oder "Cooperating Witness" (Kooperierender Zeuge) auf.

Angesichts der großen Anlegerflucht muss der Galleon-Gründer seine Fonds nun schließen. "Ich habe entschieden, dass es das Beste für unsere Investoren und Angestellten ist, die Fonds ordentlich abzuwickeln, während wir nach anderen Alternativen für unser Geschäft suchen", schrieb der 52-jährige Milliardär Rajaratnam am Mittwoch an seine Mitarbeiter. Bereits am Montag hätten Investoren rund 1,3 Mrd. Dollar aus dem Hedge-Fonds abziehen wollen, berichten US-Medien. Am Tag der Festnahme verwaltete Galleon etwa 3,7 Mrd. Dollar. Rajaratnam hält sich für unschuldig und wurde gegen eine Kaution von 100 Mio. Dollar freigelassen.

Khan hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach juristischen Ärger. Den Berichten zufolge wurden sie und ihr Ehemann Sakhawat Khan von ihrer ehemalige Haushälterin verklagt, weil sie den Mindestlohn nicht eingehalten haben sollen. Die Khans hätten ihr nur rund 250 Dollar pro Woche für 80 bis 90 Stunden Arbeit pro Woche bezahlt. Im September endete der Fall mit einem Vergleich, hieß es. Zudem sollen die Khans 2005 von der Deutschen Bank verklagt worden sein, weil sie vereinbarte Zahlungen nicht geleistet haben.

Rajaratnam sucht unterdessen nach Möglichkeiten, um zumindest Teilen von Galleon das Überleben zu sichern. Viele der 130 Mitarbeiter sehen sich nach neuen Stellen um, einige von ihnen suchen juristischen Rat. Kaufinteressenten sollen den Hedgefonds bereits kontaktiert haben, hieß es. Zudem denken offenbar Manager von Galleons 500 Mio. Dollar schweren Asien-Fonds über einen Management-Buyout nach.

Der Skandal

Das System

Im Mittelpunkt des größten Insiderskandals eines Hedge-Fonds an der Wall Street steht Raj Rajaratnam. Der Milliardär und Gründer des Hedge-Fonds Galleon hat mit fünf Komplizen, darunter Manager von McKinsey und Intel, über Jahre illegale Insidergeschäfte betrieben. Dafür nutzten sie vertrauliche Informationen aus Unternehmen und machten angeblich etwa 20 Mio. Dollar Gewinn.

Wie es aufflog

Am vergangenen Freitag schlug das FBI zu und verhaftete Rajaratnam und seine fünf Komplizen. Die US-Bundespolizei hatte einen Tipp bekommen, dass der Hedge-Fonds-Manager illegale Geschäfte betreibt. Bis gestern war nicht klar, wer der Tippgeber war. Dann berichteten US-Medien von der Kronzeugin Roomy Khan. Die packte aus, um einer hohen Strafe zu entgehen. Sie hatte früher selber von illegalen Deals Rajaratnams profitiert.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda
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