Interview
„S&K-Betroffene sollten dringend den Anwalt einschalten“

Der Anwalt Stephan Greger macht vielen Anlegern Hoffnung, die mit geschlossenen Fonds Verluste erlitten haben. Er hat ein wegweisendes Urteil erstritten, das zeigt: Vermittler müssen Anleger informieren.
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DüsseldorfDie geschlossenen Fonds kommen nicht aus den Schlagzeilen. Vor allem der Fall der S&K Immobiliengruppe verunsichert. Es scheint, Anleger haben hier in geschlossene Immobilienfonds investiert, sind aber in ein Schneeballsystem geraten?

Greger: Das steht zwar noch nicht fest. Aber fix ist: Nach einer Großrazzia bei der Unternehmensgruppe S&K wird den Verantwortlichen des S&K Immobilienunternehmens gewerbs- und bandenmäßiger Betrug sowie Untreue zur Last gelegt. Mit Hilfe eines komplex angelegten Schneeballsystems soll angeblich ein dreistelliger Millionenbetrag veruntreut worden sein.

Würden Sie Betroffenen raten, gegen den Emittenten zu klagen?

Sie sollten auf alle Fälle einen Anwalt einschalten. Die Staatsanwaltschaft hat angeblich Vermögenswerte von mehr als 100 Millionen Euro zugunsten geschädigter Kapitalanleger gesichert. Dieses Kapital wird jedoch nicht automatisch verteilt. Jeder Geschädigte muss selbst aktiv werden und Ansprüche geltend machen. Und ausschließlich anwaltliche Vertreter erreichen Akteneinsicht in die Ermittlungen des Staatsanwalts. Damit gilt es zivilrechtliche Schadensersatzansprüche gegen den verantwortlichen Personenkreis vorzubereiten. Aktuell ist allerdings nicht konkret absehbar, gegen wen sich die zivilrechtlichen Schadensersatzansprüche richten können. Doch wir haben in unserer Kanzlei noch einen zweiten Ansatzpunkt gefunden.

Und der wäre?

Die Emissionsprospekte der entsprechenden S&K-Fonds dürften in wesentlichen Punkten nur unzureichend über die tatsächlichen Risiken aufklären. So konnten interessierte Anleger einigen Prospekten beispielsweise nicht exakt entnehmen, in welchem Umfang das von ihnen investierte Kapital nicht direkt in das Anlageobjekt fließt, sondern für Aufwendungen außerhalb der Anschaffungs- und Herstellungskosten, insbesondere für Vertriebsaufwendungen, verwendet wird. Die betreffenden Prospekte wären unter Zugrundelegung der aktuellen Rechtsprechung des BGH somit fehlerhaft.

Man hat manchmal den Eindruck, dass sehr viel Spreu auf dem Markt der geschlossenen Fonds zu finden ist.

Jeder der investiert, sollte wissen, dass er eine unternehmerische Beteiligung kauft und ein Totalverlustrisiko eingeht. Es sind nicht alle Produkte schlecht. Viele Menschen haben damit viel Geld verdient. Aber man muss dem Kunden sagen, was er kauft. Wir haben oft den Eindruck, dass das nicht geschieht. So haben wir unlängst ein Urteil gegen die Commerzbank erstritten, das in diese Richtung geht und wegweisend sein könnte.

Würden Sie den Fall schildern?

Es ging dabei um eine Frau ohne besonders viel Vermögen, eine Normalbürgerin. Auf Anraten der Commerzbank hat sie im November 2007 für 23.000 Dollar Anteile an einem Schiffsfonds der Majorna Mobiliengesellschaft gekauft. Doch durch die weltweite Finanzkrise geriet der Fonds ins Strudeln. Die Gesellschaft forderte schließlich von meiner Mandantin Ausschüttungen zurück, die sie zuvor bereits erhalten hatte.

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„Die Prospekte vieler Fonds sind fehlerhaft“

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  • Der Weg zu einem Schadensersatz scheint an einem Rechtsanwalt nicht vorbeizukommen.
    Frage ist jetzt, wie man an eine Adresse von einem seriösen Rechtsanwalt kommt, ohne in die nächste erfolglose Kostenfalle zu tappen.
    Hat hierzu jemand einen Vorschlag für einen vernünftigen Weg?

  • @iburga
    .
    Das Hauptproblem stellt sich auch beim "Vermittler", der solche fragwürdigen Konstruktionen an arglose Kunden vermittelt und diese somit vorsätzlich entreichert. Seine Kunden also v o r s ä t z l i c h einen Schaden zufügt!
    .
    Denn: Hätte der Vermittler dieser dubiosen Konstruk-tionen "Firma & Produkt - neben den fragwürdigen Akteuren" hinreichend geprüft, wäre es zu keiner Vermittlung gekommen.

    Einen Haftungsverzicht der über den Tisch gezogenen Kunden sllte keiner dieser ehrenwerten Herren in Taschen führen, von daher sind es wieder mal junge oder naive Anleger die abgeledert wurden...

  • Das nun ausgerechnet ein Anwalt empfiehlt auf jeden Fall einen Anwalt einzschalten, ist ja wohl mehr Marketing als Information.

    Man sollte vor Urteilen schon sehr genau differenzieren. Bei DCM waren Kölle & Co gar nicht aktiv. Bei SHB werden die Gesellschafter heute und morgen die ungewollte Muter wieder abstoßen. Bei United Investors dagegen scheint alles Geld verloren.

    "Vermittler müssen Anleger informieren" - was eine Aussage. Was sollen sie denn sonst tun? Darum sollte man doch einen Vermittler beauftragen und nicht selber im Internet suchen. Fragen sie einfach jemanden, der sich damit auskennt.

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