Islamic Banking
Profit fürs Seelenheil

Mit dem ersten in Deutschland zugelassenen Fonds für muslimische Geldanlage erlebte die Commerzbank 2005 ein mittleres Desaster. Jetzt startet Barclays mit drei Börsengehandelten Fonds einen Anlauf in dieser Richtung. Die bisher kurzen Track Records sind überzeugend - was zum größten Teil gutem Timing zu verdanken ist.

Die Commerzbank war bis Ende 2005 in Sachen Islamic Banking so etwas wie ein Pionier unter den deutschen Banken. Im Jahr 2000 hatte ihre Tochter Adig (heute Cominvest) den "Al Sukoor"-Fonds auf den Markt gebracht - das erste Finanzinstrument in Deutschland, das seine Investments nachweislich an den Regeln des Koran ausrichtete. Der Aktienfonds galt als echte Innovation - bis er 2005 wegen akuten Geldmangels schließen musste. Gerade einmal 4 Mio. Euro betrug das Fondsvermögen noch. In Bankkreisen gelten langfristig 20 Mio. Euro Einlage als Untergrenze.

Die Commerzbank ist mit einem Produkt gescheitert, das nach einhelliger Expertenmeinung eigentlich gute Chancen hatte. Denn unter religiösen Aspekten war das Produkt unbedenklich. Allerdings war das Timing mehr als schlecht: Schon kurz nach Auflage rauschten die Aktienmärkte in den Keller, gleichzeitig legten im Nahen Osten, wo die Commerzbank die größte Zielgruppe für das Produkt sah, die Immobilienmärkte pro Jahr zweistellig zu und machten Aktien noch unattraktiver.

Besseres Timing bewies Barclays Global Investors (BGI) mit ihrer ETF-Sparte iShares, als sie Ende 2007 drei ETFs (Exchange Traded Funds) auf Islamic-Indizes von MCSI Emittierte. ETFs sind Fonds, die nicht aktiv verwaltet werden, sondern Indizes nachbilden und an der Börse gehandelt werden können. Sie sind dadurch deutlich leichter handelbar und kostengünstiger als aktiv gemanagte Fonds, können im Gegenzug aber weniger flexibel auf sich ändernde Marktbedingungen reagieren.

Die drei neuen Islamic-ETFs lauten auf MSCI-Indizes, für die der Anbieter drei seiner bekanntesten Marktbarometer an die Regeln des Koran angepasst hat: MSCI World, MSCI USA und MCSI Emerging Markets. An die Regeln des Koran angepasst - das heißt für Aktien-Indizes, dass alle Unternehmen aus dem Portfolio verschwinden müssen, die mit dem Koran in Konflikt stehen. Die wichtigste Grundregel der Scharia - des islamischen Rechts - ist dabei gleichzeitig diejenige, die mit klassischen Bankprodukten so gut wie nicht vereinbar ist: das Zinsverbot. Bei Aktienindizes muss der Herausgeber also beachten, dass keine Banken mit im Boot sind oder andere Unternehmen, die mit Zinsen ihr Geld verdienen. Ausgeschlossen sind auch Unternehmen, die Geschäfte mit Alkohol, Glücksspiel, Pornographie oder Schweinefleisch machen oder zu viele Schulden haben - denn Zinsen zahlen ist ebenso verboten wie Zinsen einnehmen.

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