Krisengewinner
Hohe Währungsreserven sind für Tiger-Staaten ein Plus

Die asiatischen Börsen haben nach der Krise wieder deutlich aufgeholt. Vor allem seit der Welthandel wieder angezogen hat, wachsen die Währungsreserven. Die Tiger-Staaten befinden sich nach der Krise in einer komfortablen volkswirtschaftlichen Situation.
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DÜSSELDORF. Die asiatisch-pazifischen Aktienmärkte haben - gemessen am Dow Jones Index Asia Pacific - fast 80 Prozent der Verluste im Vergleich zu 2007 wieder aufgeholt. Regionaler Spitzenreiter ist im laufenden Jahr die Börse Bombay mit 75 Prozent Zuwachs.

Deutsche Fernost-Fonds haben im gleichen Zeitraum im Durchschnitt knapp 50 Prozent zugelegt. Spitzenreiter ist Nestor Fernost mit 86 Prozent Plus in den ersten neun Monaten 2009 vor Uni AsiaPacific mit 66 Prozent Zuwachs. Über fünf Jahre weist die Statistik des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) durchschnittlich 13,1 Prozent bzw. 11,5 Prozent pro Jahr für diese Fonds aus.

Anna Ho, in Hongkong ansässige Managerin des führenden Nestor-Fernost-Fonds, bewertet die Aussichten für die Märkte optimistisch: Sie erwartet eine nachhaltige Erholung der Weltwirtschaft und ist weiter voll investiert in China und Indien.

Für eine bessere Perspektive dieser und anderer asiatischer Schwellenländer spricht, dass der Abwärtstrend des Welthandels gestoppt ist. Zieht er wieder an, würde dies die Entwicklung an den asiatisch-pazifischen Börsen positiv beeinflussen. Ob diese Erholung nachhaltig sein wird und ob die Tendenz auch noch anhält, wenn die Wirkungen der vielfältigen staatlichen Stützungsmaßnahmen in aller Welt nachlassen, wird das Jahr 2010 zeigen.

Unterdessen weist die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) in einer Studie, die im August 2009 vorgelegt wurde, auf einen weiteren Faktor hin: Das Arbeitspapier kommt zu dem "eindeutigen Ergebnis, dass die Währungsreserven der Tiger-Staaten zu hoch sind. Und dass die Länder sich kaum mehr lange mit den niedrigen Zinsen zufrieden geben werden, die sie für die Anlage an westlichen Finanzmärkten und in Japan bekommen. Die Staaten müssten allerdings noch Know-how aufbauen, um aggressive Anlagestrategien und ein entsprechendes Risikomanagement umsetzen zu können, mahnt die ADB.

Zum Jahresende 2008 hatten die Chinesen knapp 2 000 Mrd. Dollar an Währungsreserven auf ihren Konten. 2009 ist der Betrag gewachsen, obwohl China in Afrika und anderen Staaten umfangreiche strategische Investitionen vornimmt.

Taiwan, Thailand, Korea und die anderen Tiger-Länder werden zusammen per Ende 2009 aller Voraussicht nach ebenfalls so hohe Währungsreserven besitzen. Trotz Aufwertung des Won und des Rückgangs der Exporte meldet die ADB beispielsweise für Korea stark wachsende Währungsreserven. Der finanzstärkste unter den kleinen Tiger-Staaten ist Taiwan. Die Währungsreserven in Teipei reichen aus, um dem Inselstaat zu einer neuen industriellen Basis zu verhelfen, nachdem viele Taiwan-Produktionen zwischenzeitlich auf das chinesische Festland abgewandert sind.

Im Handbuch der Länderrisiken hat Kreditversicherer Coface zwar zuletzt einige Länder herabgestuft. Trotzdem verfügen die Länder laut Coface nach wie vor über eine volkswirtschaftliche Situation, die mindestens "allgemein gut ist; jedoch mit etwas unbeständigen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen." Die jüngst vorgelegten, weltweiten Auswertungen nahm Coface freilich am Tiefpunkt der Krise vor, im März 2009. Seither dürften sich die Beurteilungen verändert haben - allerdings nicht nach unten.

Eine Idee zur Verwendung des Reichtums ist beispielsweise der Aufbau einer staatlichen Rentenreserve mit binnenwirtschaftlichen Wertpapieren, eine andere die Förderung von Infrastruktur und Binnenwirtschaft. Tiger-Aktien, internationale Standard-Aktien und entsprechende Fonds könnten hiervon profitieren.

Zudem setzen die Tiger-Regierungen ihren Reichtum häufig ein, um etwaige unkontrollierte Kursstürze aufzufangen und auf diese Weise mögliche negative Folgen für ihre Volkswirtschaften zu vermeiden.

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