Massive Verluste
Dividendenfonds schmieren ab

Sie gelten als solide Investments, doch in der Krise enttäuschen die Fonds: Die Spekulation auf dividendenstarke Aktien brachte den Anlegern in den letzten Monaten überdurchschnittliche Verluste. Schuld daran ist das große Gewicht einer bestimmten Branche.

DÜSSELDORF. Bei den Anlegern sind sie als solide Investments gerade in turbulenten Zeiten beliebt. Doch in dieser Finanzkrise ist vieles anders. Denn die Kursverluste von Fonds und Zertifikaten mit dem Anlageschwerpunkt europäische Dividendentitel haben im abgelaufenen Quartal die ohnehin herben Verluste des Gesamtmarkts deutlich übertroffen. Eine Besserung ist erst in Sicht, wenn sich die abgestürzten Finanzwerte wieder erholen. Denn diese sind in europäischen Dividendenfonds stark vertreten. Insgesamt haben deutsche Anleger 5,5 Mrd. Euro in solche Fonds investiert.

Der europäische Dividendenindex Stoxx Select Dividend 30 brach in den vergangenen drei Monaten um 35 Prozent ein. Der marktbreite Stoxx-600-Index verlor im gleichen Zeitraum lediglich zehn Prozent. Zum Vergleich: Während des letzten Bärenmarkts lieferte die Dividendenstrategie in Europa gemessen am Stoxx Select Dividend 30 zwischen März 2000 und März 2003 einen Zugewinn von 34 Prozent. Der Gesamtmarkt brach im gleichen Zeitraum um 55 Prozent ein.

Mit der zuletzt hohen Inflation sowie dem Anstieg der Renditen am Anleihenmarkt sinkt zudem die Bedeutung der Dividende als Investitionsanreiz. Einer Dividendenrendite von 3,4 Prozent im Stoxx-600-Index steht eine Inflationsrate von zuletzt vier Prozent und eine Rendite für zehnjährige Bundesanleihen von 4,7 Prozent gegenüber. Derzeit weisen in Europa lediglich sieben von 29 Branchen eine höhere Dividendenrendite als im historischen Schnitt auf, darunter Banken (6,7 Prozent) Finanzdienstleister (6,3 Prozent), Telekomtitel (5,5 Prozent) und Versicherer (4,9 Prozent).

Größte Last für die nur einmal pro Jahr neu zusammengesetzten Stoxx-Dividendenindizes sind die hoch gewichteten Finanzwerte. Ein Titel fällt nur dann außerplanmäßig aus dem Index, wenn der Vorstand tatsächlich die Dividende streicht. Den Dividendenindex Stoxx Select Dividend verlassen musste vergangene Woche die belgisch-niederländische Bank Fortis. Gestern fiel der angeschlagene Baukonzern Taylor Wimpey heraus. "Die Regeln für die Zusammensetzung sind für den Fall von Schocks viel zu träge", kritisiert Werner Hedrich, Leiter der Fondsanalyse von Morningstar. "Einen Grund, die Methodik zu ändern, sehen wir nicht", kontert Sybille Reitz, Sprecherin von Dow Jones Stoxx.

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