Mexico häufig untergewichtet
Fondsprofis sind optimistisch für Lateinamerika

Kontinuität gehört nicht unbedingt zu den Stärken der lateinamerikanischen Börsen. Eher schon der abrupte Richtungswechsel. Da erscheint es bemerkenswert, dass die Kurse 2003 und 2004 gleich in zwei Jahren in Folge gestiegen sind - das letzte Mal war dies 1996 und 1997 der Fall. Damals folgte prompt ein kräftiger Einbruch: Im Zuge der Russland-Krise verlor der MSCI Latin America 1998 mehr als 40 Prozent an Wert.

HB HAMBURG. Derartige Statistiken beeindrucken Will Landers jedoch nicht. Der Manager des MLIIF Latin American Fund von Merrill Lynch ist überzeugt, dass die Käufer seines Fonds auch 2005 Grund zur Freude haben werden: "Die lateinamerikanischen Staaten glänzen weiter mit starken Wachstumsraten, und die Region dürfte auch künftig vom schwachen US-Dollar und den historisch hohen Rohstoffpreisen profitieren."

Die größten Hoffnungen setzt Landers, dessen Fonds im jüngsten Zwölf-Monats-Vergleich die Liste der Lateinamerika-Aktienfonds anführt, auf Brasilien. Die Schuldensituation des Landes habe sich durch die strenge Währungs- und Finanzpolitik der Regierung Lula stetig verbessert. Die jüngste Entscheidung, beim Internationalen Währungsfonds keinen neuen Kredit zu beantragen, wertet Landers als "natürlichen Fortschritt einer sich stabilisierenden Wirtschaft".

Derzeit sind brasilianische Aktien im Merrill-Lynch-Fonds mit 56 Prozent gewichtet, rund fünf Prozentpunkte höher als im Vergleichsindex MSCI Latin America. Dabei stehen neben Rohstoffwerten wie Petroleo Brasileiro und CVRD vor allem Titel im Mittelpunkt, die wie der Schuhproduzent Grendene von einer Erholung der Binnenkonjunktur profitieren sollen. Mexiko bleibt dagegen mit einem Anteil von 32 Prozent bis auf weiteres leicht untergewichtet: Landers fürchtet, dass sich die politische Handlungsfähigkeit im Vorfeld der 2006 stattfindenden Präsidentschaftswahlen mehr und mehr einschränkt, denn der jetzige Amtsinhaber Vicente Fox kann nicht wieder gewählt werden.

Ganz ähnliche Ländergewichtungen für Brasilien und Mexiko finden sich übrigens in nahezu allen anderen Fonds der Vergleichsgruppe. Das gilt beispielsweise für den Zweitplatzierten Morgan Stanley Latin American Equity und den an vorletzter Stelle liegenden DWS Lateinamerika. Dennoch gibt es Unterschiede, die sich am deutlichsten im langfristigen Vergleich offenbaren: So erzielte der Morgan Stanley Latin American Equity seit März 1995 einen Wertzuwachs von 352 Prozent, der DWS Lateinamerika kommt nur auf 107 Prozent.

"Die Tabelle spiegelt die Leistungsfähigkeit der einzelnen Anbieter von Lateinamerika-Fonds recht gut wider", kommentiert Thomas Portig. Für Anleger, die sich in der Region engagieren wollen, hält der Leiter des Fondsanalyse-Teams von H.C.M. Capital Management sowohl den Merrill-Lynch- als auch den Morgan-Stanley-Fonds für uneingeschränkt empfehlenswert: "Beide Gesellschaften sind seit vielen Jahren vor Ort vertreten. Bei der DWS und auch bei einigen anderen Anbietern wüsste ich dagegen nicht, wo eine entsprechende Expertise herkommen soll."

Von Egon Wachtendorf, Der Fonds

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%