Nach der Griechenlandwahl
Börsentheater, nächster Akt

Aktienanleger können sich freuen, doch wie lange? Die nächste Rettung wird geprobt. Dabei kommt es auf Frankreich an. Wenn Hollande seinen Weg fortsetzt, wird Deutschland über den Ausstieg aus dem Euro nachdenken müssen.
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Erwartungsgemäß und zugleich knapp ist die Wahl der Griechen ausgelaufen. Ein guter Sinn für das Tragische liegt den Hellenen seit ehedem im Blut. Jene Gründe, die in Griechenland vor 15 Jahren viel kreativen Beitrittseifer hervorgerufen  hatten, sind die gleichen, die heute einen Verbleib im Euro-Raum aus griechischer Sicht wünschenswert erscheinen lassen.

Für das Börsentheater stellt die Griechenland-Wahl nur ein retardierendes Moment dar. Den allermeisten Marktteilnehmern ist klar, dass in den kommenden zwei Jahren noch weitere Euro-Rettungsszenen folgen werden. Vieles kommt dabei auf Frankreich an. Sollte Frankreich seinen ohnehin schon bedenklichen Weg des Staatsdirigismus verstärken – wofür angesichts des klaren Mandates von Präsident Francois Hollande manches spricht –, wird  Deutschland über kurz oder lang eine Grundsatzentscheidung über das unbeirrte Festhalten an der Gemeinschaftswährung treffen müssen.

Gewinner der Wahl ist einstweilen der Euro selbst. Denn wie schon in Irland vor wenigen Tagen hat auch dieser Urnengang gezeigt, dass allem Gezeter zum Trotz die Stimmen der Vernunft in den Nationalstaaten die Oberhand behalten haben. Offenbar unterschätzt die angelsächsisch dominierte Anlagewelt die Hartnäckigkeit, mit der die Euro-Länder an ihrer Währung festhalten. Und das nicht ohne Grund. Man darf nicht vergessen, dass der Euro trotz seiner Konstruktionsmängel seit seiner Einführung gegen den US-Dollar und das britische Pfund aufgewertet hat. Zudem ist eine Rückkehr zu den Altwährungen rückwärtsgewandt und zudem unrealistisch. 

Freuen können sich einstweilen die Aktienanleger, alldieweil der Nebenkriegsschauplatz Währung nunmehr etwas in den Hintergrund treten wird und dadurch die Alternativlosigkeit der Beteiligung an börsennotierten Unternehmen klarer hervortritt. Gefährdet sind unterdessen die Anleihekurse. Angesichts der drohenden Gefahr von Euro-Bonds und –Bills nähme es wenig Wunder, wenn es gerade bei deutschen Anleihen zu empfindlichen Kursrückgängen käme. Die negativen Realzinsen tun ein Übriges.

Insgesamt darf das große historische Bild nicht völlig übersehen werden. Die Demokratie der Weimarer Blick ist nicht aufgrund einer Überzahl von Nazis zerbrochen, sondern wegen des Mangels an Demokraten. Der Euro wird seinerseits nicht an der Finanz- und Stimmengewalt seiner regionenexternen Gegner zerbrechen, sondern im Zweifel am Mangel an überzeugten Europäern.

Christoph Bruns ist Fondsmanager und Chef der Fondsboutique Loys.

Kommentare zu " Nach der Griechenlandwahl: Börsentheater, nächster Akt"

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  • Sehr gut!

  • schwachmatiges Gelaber ...

    Den sch... EURO wird es zerreißen und die ehemaligen Profiteure werden bluten ...

  • „Der Euro wird seinerseits nicht an der Finanz- und Stimmengewalt seiner regionenexternen Gegner zerbrechen, sondern im Zweifel am Mangel an überzeugten Europäern.“

    Das sollten all diejenigen beherzigen die meinen die Gemeinschaft sei eine Kasse in die man nach belieben hineingreifen kann.

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