Nachgefragt
"Nach wie vor gute Renditen möglich"

Das Handelsblatt spricht mit Bärbel Schomberg über deutsche Immobilienfonds. Frau Schomberg ist Vorsitzende des Immobilienausschusses im Fondsbranchenverband BVI.

Mittelabflüsse erschweren den Umbau in Deutschland investierter offener Immobilienfonds zu international anlegenden. Sind Deutschland-Fonds nun zum Ausverkauf ihrer Immobilien gezwungen?

Das An- und Verkaufen von Immobilien gehört zum Kerngeschäft offener Immobilienfonds. Derzeit verkaufen viele Deutschlandfonds Teile ihres Portfolios, um sich durch Objektkäufe im Ausland von der deutschen Immobilienkonjunktur unabhängiger zu machen. Dieser aktuelle Trend ist als vielfach notwendige Diversifikation des Anlagespektrums zu sehen. Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich mit deutschen Immobilien nach wie vor solide Renditen erwirtschaften lassen.

Sollten Mittelabflüsse durch eine Mindesthaltedauer für die Anteile abgefedert werden?

Ich lehne eine Mindesthaltedauer für offene Immobilienfonds ab. Ohne die tägliche Verfügbarkeit würde sich der Charakter des Produkts drastisch ändern. Sie ist ein wichtiger psychologischer Mehrwert der Fonds, da sie die Sicherheit der Produktkategorie mit einer schnellen Verfügbarkeit verbindet. Im übrigen sind die allermeisten Anteilseigner offener Immobilienfonds langfristig orientierte Anleger.

Soll der Anleger seine Entscheidung an den Fondsrenditen oder an den Noten von Ratingagenturen ausrichten?

Anleger sollten bei ihrer Anlageentscheidung zuerst ihre persönlichen Anlagekriterien wie Dauer und Flexibilität der Anlage sowie ihre Risikobereitschaft definieren, um eine Aufteilung in einzelne Asset-Klassen vorzunehmen. Erst dann sollte sich der Anleger die Produkte genau anschauen und miteinander vergleichen. Die Bewertungen von Ratingagenturen können eine gute Entscheidungshilfe sein, die qualitativ über die historische Wertentwicklung hinausgeht.

Welche Folgen wird die Einführung von steuerbegünstigten Immobilienaktiengesellschaften, so genannter Reits, haben?

Reits sind ein wichtiger Mosaikstein für die Vermögensklasse Immobilien. Sie öffnen die Tür zu einer sehr stark chancenorientierten und trotzdem breit gestreuten indirekten Immobilienanlage. Sie werden die Spezialisierung und Professionalisierung der deutschen Immobilienwirtschaft weiter beschleunigen. Damit einher geht eine höhere Transparenz und Effizienz im Immobilien-Investmentmarkt. Das Risikoprofil von Reits entspricht dem einer Aktienanlage, daher sehe ich das Produkt nicht in direkter Konkurrenz zu offenen Immobilienfonds, sondern als Ergänzung.

Die Fragen stellte Reiner Reichel.

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