Nebenwerte
Immer auf die Kleinen (setzen)!

Alle schauen auf den Dax, doch in seinem Windschatten hat der Nebenwerteindex MDax längst ein neues Allzeithoch erklommen. Auch der kleinere SDax schlägt den Leitindex um Längen. Welche Aktien für Anleger taugen.
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Düsseldorf/FrankfurtSmall is beautiful – und verspricht an der Börse satte Kursgewinne. Meistens zumindest. Mehr als 30 Prozent hat der MDax seit Jahresbeginn zulegt und damit gut fünf Prozentpunkte mehr als der Dax. Der Indes für die mittelgroßen Werte hat in der vergangenen Woche sogar ein neues Rekordhoch erklommen. Davon ist der Dax noch mehr als 600 Punkte entfernt. Auch auf längere Sicht schlägt der Mid-Cap-Index seinen großen Bruder klar. „Nebenwerte sind im Allgemeinen wachstumsstärker“, sagt Björn Glück, Experte für deutsche Nebenwerte bei der Fondsboutique Lupus Alpha.

In den vergangenen drei Jahren hat der MDax fast 60 Prozent zugelegt, der Dax nur gut die Hälfte. Auf Sicht von fünf Jahren fällt die Bilanz noch deutlicher aus. Ein Plus im MDax von fast 20 Prozent steht einem Dax-Minus von etwas mehr als sechs Prozent gegenüber. Und wer vor zehn Jahren auf den MDax setzte, freut sich sogar über ein Plus von fast 270 Prozent, während der Dax „nur“ gut 130 Prozent zulegte.

Auch der Index für die ganz kleinen Werte, der SDax, hängt den Dax oft ab, aber nicht immer. Im laufenden Jahr liegt der Dax zwar noch vorne. Der Kleinstwerte-Index schaffte ein Plus von 16 Prozent und damit gut zehn Prozent weniger als der Dax. In den vergangenen zehn Jahren legt der SDax aber fast 190 Prozent zu und damit mehr als die Standardwerte.

Vorteil für die Kleinen also. Allerdings gelten Nebenwerte auch als riskanter, weil sie schwankungsanfälliger sind. Schließlich reichen manchmal schon vergleichsweise kleine Orders, um die Kurse kräftig zu bewegen. Außerdem stürzen sie in einer Krise früher und stärker ab, als die Dickschiffe im Dax. Frank Hansen sieht das nicht ganz so kritisch. „Das stimmt nur, wenn es eine wirklich heftige und auch länger andauernde Krise ist, wie beispielsweise die Bankenkrise nach der Lehman-Pleite“, sagt Leiter des Nebenwerte-Teams bei Allianz Global Investors . Bei kurzfristigen Kursrücksetzern seien die Schwankungen im Dax sogar häufig höher als bei den Aktien aus der zweiten und dritten Reihe.

Wer allerdings einen langfristigen Anlagehorizont von mehreren Jahren hat, kann solche Schwankungen locker aussitzen. Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn natürlich gibt es auch Nebenwerte, die Aktionären alles andere als Freude bereiten. Während Spitzenwerte im MDax wie eine Sky Deutschland im laufenden Jahr fast 180 Prozent zulegen, gehen Verlierer wie Wacker Chemie um mehr als 30 Prozent in die Knie. Noch größer sind die Unterschiede bei den kleineren Börsenzwergen. „Ausreißer gibt es in beide Richtungen“, so Lupus-Alpha-Experte Glück. „Das Risiko bei Nebenwerten ist sicherlich höher als bei Standardwerten, die Chancen sind es aber eben auch.“

Bei den Börsenzwergen kommt es noch mehr als bei Standardwerten auf die Auswahl der Einzeltitel an, ist Allianz-Experte Hansen überzeugt. „Man kann mit seiner Marktmeinung grundsätzlich völlig richtig liegen, aber auf die komplett falschen Einzelwerte gesetzt haben“, sagt er. Wer beispielsweise in Delticom investiert hat, wird sich über das Kursplus des SDax kaum freuen, denn die Aktie hat sich seit Jahresbeginn halbiert.

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