Neue Anlageprodukte
Fonds treten mit Rürup an

Seit Januar dürfen auch Fondgesellschaften so genannte Rürup-Renten anbieten. Nun bereiten mit der DWS, Deka und Union Investment die ersten ein neues Produkt für die staatlich geförderte private Altersvorsorge vor.

FRANKFURT. Bislang gibt es am Markt ausschließlich von den Lebensversicherern angebotene Rentenprodukte mit Rürup-Förderung. Diese zunächst wenig nachgefragten Policen lassen sich seit Verbesserung der Steuerförderung im vergangenen Jahr deutlich besser verkaufen. Laut dem Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) unterschrieben mit knapp 174 000 Menschen gut 13 Prozent mehr als 2005.

Nun konzipieren die Produktentwickler der Deutsche-Bank-Tochter DWS, der Sparkassentochter Deka, und der genossenschaftlichen Union Investment ein Rürup-Fonds-Produkt. „Am liebsten würden wir die Basis-Rente ähnlich der am Markt inzwischen gut angenommenen geförderten Riester-Rente konstruieren“, sagt Frank Breiting, Leiter private Altersvorsorge bei der DWS. Bei den Riester-Verträgen fließt das in Fonds angesparte Kapital zu einem kleineren Teil in eine Rentenversicherung, die ab dem 85. Lebensjahr zahlt. Der Rest gelangt in einen Fonds-Auszahlplan, der je nach Rentenbeginn auf 20 bis 25 Jahre angelegt wird.

Allerdings muss die Fondsbranche mit dem Bundesfinanzministerium noch einige kritische Dinge klären: Als wichtigster Punkt ist offen, ob Fondsanbieter wegen der im Alterseinkünftegesetz verlangten Leibrente die Auszahlphase großenteils über Fonds gestalten dürfen oder sie etwa das angesparte Kapital in eine Rentenversicherung einzahlen müssen. Überdies gilt es den oft benötigten Hinterbliebenenschutz so zu regeln, dass auch die Beiträge für eine solche Versicherung steuerlich abzugsfähig sind. „Wir hoffen, dass wir bis zur Jahresmitte Bescheid wissen und dann die Produkte fertig bauen können“, sagt Breiting.

Die im Jahr 2005 eingeführte Rürup-Rente hat bei Finanzvermittlern inzwischen einen hohen Stellenwert. „Immenses, wachsendes“ Marktpotenzial erkennt zum Beispiel Stephan Moltzen, Leiter Produktmanagement Vorsorge bei MLP. „Bis 2012 werden 30 bis 40 Prozent der Erwerbstätigen eine Rürup-Rente haben“, sagt er. Damit erwartet er Rürup-Sparer in zweistelliger Millionenhöhe. Bislang haben laut GdV aber erst 330 000 Menschen einen Vertrag unterschrieben.

Vor allem seit Verbesserung der steuerlichen Abzugsfähigkeit biete die Rürup-Rente besondere Vorteile für Selbstständige, sagt Moltzen. Neben dem Steuervorteil profitierten sie vom Insolvenzschutz, da die Sparer kein Vermögen, sondern Rentenansprüche aufbauten. Als zweite Zielgruppe sehen die Anbieter Ältere mit hohem Einkommen, die kurz vor Rentenbeginn einen Einmalbetrag einzahlen und damit ihre Steuerlast senken.

Für Arbeitnehmer eignet sich die Rürup-Rente nach Ansicht von Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten erst, wenn Riester-Förderung und betriebliche Altersvorsorge (bAV) ausgeschöpft sind. In jungen Jahren dürfte es schwer fallen, sich für die starre Rürup-Rente - sie kann nur als Rente ausgezahlt werden, ist nicht beleih- oder abtretbar - zu entscheiden, meint er. Im Übrigen sei das Produkt beratungsintensiv - vor dem Abschluss müsse etwa eine genaue steuerliche Analyse stehen. Für DWS-Mann Breiting hängt das Potenzial auch davon ab, ob für Betriebsrenten ab 2009 Sozialabgaben anfallen.

Die Chancen für die Fondsbranche hängen von den Auflagen für die Auszahlphase ab. Je stärker man sich von den Versicherungen abheben könne, desto spannender werde es, meint Breiting. MLP-Mann Moltzen sieht die Rürup-Rente vorrangig als Versicherungslösung: Für die meisten Menschen rangiere die Absicherung des Langlebigkeitsrisikos vor dem Wunsch nach Kapitalaufbau.

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