Ökologische Anlagen treffen auf verstärkte Nachfrage
Fonds entdecken die Nachhaltigkeit

Dass die Begriffe Börse und Renditemaximierung untrennbar miteinander verbunden sind, galt lange als unumstößliche Tatsache. Eine Umfrage des Finanzdienstleisters Delta Lloyd stellt diese Vorstellung jetzt jedoch in Frage. Die Befragung unter deutschen Anlegern ergab, dass immerhin ein Viertel der Investoren bereit ist, auf Rendite zu verzichten, wenn dafür soziale und ökologische Kriterien bei der Geldanlage berücksichtigt werden.

DÜSSELDORF. Rund 60 Prozent der Befragten würden immerhin solche „nachhaltigen Investments“ herkömmlichen Produkten vorziehen, wenn die Renditechancen die gleichen wären. So weit die Theorie. In der Praxis überwiegt bei den Anlegern allerdings nach wie vor die Skepsis. Nachhaltige Produkte spielen in Deutschland eine untergeordnete Rolle. Von dem in deutschen Fonds investiertem Geld entfällt rund ein Prozent auf Nachhaltigkeitsfonds. Offenbar hält das verbreitete Vorurteil, dass diese Investments weniger Rendite abwerfen als herkömmliche Geldanlagen, viele Anleger zurück.

Eine Reihe von Studien hat jedoch ergeben, dass hohe Renditen und gutes Gewissen kein Widerspruch sein müssen. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) etwa hat den Einfluss von Nachhaltigkeit auf die Aktienrendite in den Jahren 1996 bis 2001 untersucht. „Anleger, die nachhaltige Kriterien bei ihren Investitionen berücksichtigt haben, mussten keinen Abstrich bei der Rendite hinnehmen", fasst Andreas Ziegler vom ZEW die Ergebnisse der Studie zusammen. Zwischen den Umweltaktivitäten einer Branche und der Aktienkursentwicklung bestehe gar ein positiver Zusammenhang.

Ein Blick auf die Kursentwicklungen der vergangenen Monate bestätigt die Aussagen des ZEW. Zwischen den Kursverläufen nachhaltiger Anlagen und dem breiten Markt besteht kaum ein Unterschied. So hat sich der Dow Jones Stoxx Sustainability Index seit Mitte 2001 – mit einem kleinen Aufschlag – nahezu parallel zum MSCI-World-Index entwickelt.

Und damit nicht genug. In absehbarer Zeit dürften Aktien von nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen für die Anleger gar bessere Ertragschancen bieten, erwartet Cécile Heusser von SAM Sustainable Asset Management. „Die Unternehmen, die sich heute schon der künftigen Risiken bewusst sind und aktiv auf diese Risiken reagieren, werden langfristig durch höhere Erträge belohnt werden“, sagt sie. Und wenn die Masse der Anleger erkenne, dass ihr das nachhaltige Wirtschaften der Unternehmen zu Gute kommt, werde auch das Interesse an dem Thema steigen, erwartet Heusser. „Nachhaltigkeitsprodukte werden sich in den nächsten Jahren aus der Nische heraus zu einer eigenständigen Anlageklasse entwickeln.“

Darauf setzen auch viele Fondsgesellschaften, die nachhaltige Investments als Zukunftstrend ausgemacht haben. Inzwischen haben Investoren auf der Suche nach dem richtigen Nachhaltigkeitsfonds die Qual der Wahl. Während die Fondsbranche in den vergangenen Jahren insgesamt über Mittelabflüsse und Fondsschließungen klagte, stieg die Zahl der Nachhaltigkeitsfonds 2002 um rund ein Viertel; und auch im laufenden Jahr ist ein deutliches Wachstum zu verzeichnen.

Dass die Bedeutung von ökologisch, sozial und ethisch korrektem Verhalten bei der Aktienbewertung künftig steigen wird, steht für die Fondsbranche außer Frage: „Nachhaltigkeit wird der Mega-Trend der kommenden Jahre sein“, gibt sich Holger Desch, Geschäftsführer von Delta Lloyd Investment Managers, optimistisch. Auf kurz oder lang werde dies auch zu höheren Renditen für solche Investments führen: „Wer rechtzeitig auf das Thema setzt, wird dafür auf lange Sicht mit einer überdurchschnittlichen Kursentwicklung belohnt werden“, ist sich Desch sicher.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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