Private Equity
Spezialfonds jagen faule Kredite

Angesichts der Flaute im Private-Equity-Geschäft spekulieren immer mehr Fonds auf den Einstieg bei angeschlagenen Firmen. Ihre Strategie: Die Finanzinvestoren kaufen günstig die Kredite krisengeschüttelter Firmen auf. Gerät das Unternehmen in Schwierigkeiten, versucht der Investor, Teile seines Engagements in Eigenkapital zu wandeln - und wird so zum Miteigentümer.

FRANKFURT. "Wir schätzen, dass es mindestens ein Dutzend Spieler gibt, die diese Investment-Strategie derzeit maßgeblich verfolgen", sagt Hans Jürgen Lütt, Managing Partner bei der internationalen Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins. Finanzinvestoren investierten zunehmend in notleidende Kredite. Martin Hintze, Managing Director bei Goldman Sachs, prophezeit: "Es ist zu erwarten, dass derartige aktive Strategien im kommenden Jahr zunehmend in den Vordergrund rücken werden."

Allein 2008 sammelten Finanzinvestoren nach Zahlen des Datenanbieters Preqin 42,5 Mrd. Dollar für 23 sogenannte Distressed-Private-Equity-Fonds ein. Das Prinzip ist einfach: Die Kredite krisengeschüttelter Firmen werden im Extremfall 80 Prozent unter Nennwert gehandelt. Das gilt vor allem für Unternehmen im Besitz von Finanzinvestoren. Der Grund: Die Märkte fürchten den Kollaps der häufig mit Schulden überfrachteten Firmen. Wer Kredite hält, versucht oft, sie um jeden Preis loszuwerden.

Für sogenannte Distressed-Investoren ein gefundenes Fressen: Sie investieren in die Kredite. Werden diese zurückgezahlt, winkt schon wegen des günstigen Einkaufs ein Gewinn. Im Fachjargon heißt dies "Loan-to-Hold-Strategie". Gerät das Unternehmen tatsächlich in Schwierigkeiten, versucht der Fremdkapitalinvestor, Teile seines Engagements in Eigenkapital zu wandeln - und wird so zum Miteigentümer ("Loan-to-Own"). Oft wird parallel frisches Eigenkapital investiert.

So wie vor wenigen Tagen beim niederländischen Medienunternehmen VNU. Es war Ende 2006 vom britischen Finanzinvestor 3i unter Zuhilfenahme von Krediten gekauft worden und in der Krise ins Wanken geraten. Über Monate liefen Verhandlungen über eine Umschuldung. Am Ende konnte sich H.I.G. Capital durchsetzen: Der Investor, der Teile der Kredite erworben hatte, investiert nochmals Eigenkapital und wird so neben 3i zum Miteigentümer.

Und beim Dachhersteller Monier übernehmen die Hedge-Fonds Apollo, Tower Brook und York Capital das Ruder. PAI Partners, die das Unternehmen 2007 zu teuer gekauft hatten, haben das Nachsehen. Ähnliches könnte Bain Capital bei Bavaria Yacht drohen, wo sich Oaktree bereits in die Kredite eingekauft hat.

"Seit dem vierten Quartal vergangenen Jahres haben wir mehr als 300 Mio. Euro in notleidende oder mit Abschlag gehandelte Kredite investiert", sagt auch Wolfgang Biedermann, DeutschlandChef von H.I.G. Capital. Man sei europaweit bei etwa zwei Dutzend Firmen engagiert. Bei zehn bis 20 Prozent der Fälle werde H.I.G. voraussichtlich als Eigentümer zum Zuge kommen. "Die Finanzierungsprobleme bei vielen Unternehmen dürften eher noch zunehmen", prophezeit Biedermann. "Wir rechnen mit den meisten Ausfällen erst zum Jahresende hin, vielleicht auch erst 2010."

H.I.G. hatte im vergangenen Sommer einen Distressed-Fonds über drei Mrd. Dollar geschlossen. Goldman Sachs sammelte sogar 10,5 Mrd. Dollar ein. "Man kann davon ausgehen, dass sich viele der Private-Equity-Deals der Jahre 2006 und 2007 beziehungsweise ihre Finanzierungen im Visier der Investoren befinden", erwartet Branchenexperte Lütt.

Allerdings dürften keineswegs alle, die jetzt ihre Chance wittern, am Ende mit Erfolgen aufwarten können. Distressed-Investments seien alles andere als einfach, warnt Stephan Illenberger, Deutschland-Chef von Axa Private Equity: "Man braucht eine Strategie." Die aber dürften nach Einschätzung von Peter Hielscher, Leiter des Bereichs Alternative Anlagen bei Ampega Gerling, nur wenige haben. "Jeder macht derzeit distressed", sagt der Vermögensverwalter. "Da kann ich nur sagen: Ich wäre vorsichtig."

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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