Rekordabflüsse
Krise der Investmentfonds spitzt sich zu

Deutsche Anleger flüchten aus Investmentfonds. Im Oktober zogen sie aus den Anlageprodukten mehr als 45 Mrd. Euro ab - das ist absoluter Negativrekord. Die Folgen treffen die Branche hart: Experten erwarten eine Konsolidierungswelle.

FRANKFURT. Anleger zogen im Oktober aus Publikumsfonds die Rekordsumme von netto 46,3 Mrd. Euro ab. Das ist mehr als vier Mal so viel wie im bisherigen Negativmonat Dezember 1993. Rüdiger Sälzle, Vorstand von Fonds Consult, erkennt hier den "größten Käuferstreik aller Zeiten". Das Vermögen der ursprünglich auf Privatanleger zielenden Publikumsfonds sank innerhalb von zwölf Monaten um 22 Prozent auf 585 Mrd. Euro, wobei sich der Aktienfondsbestand fast halbierte.

"Für die Fondsanbieter ist das Vermögen Ertragsquelle, da brechen Einnahmen weg", kommentiert Fondsverbands-Präsident Wolfgang Mansfeld die Zahlen. Noch zur Jahresmitte abgegebene Prognosen für einen steuerlich getriebenen Absatzboom im Vorfeld der ab 2009 geltenden Abgeltungsteuer seien "Makulatur". Mansfeld wagt die Prognose: "Die Branche geht vorsichtig ins neue Jahr und steht auf der Kostenbremse."

Für die desaströsen Oktoberzahlen sind vor allem die Kapitalabzüge aus Geldmarktfonds und Rentenfonds mit Anleihen kurzer Laufzeit verantwortlich (siehe "Das Debakel"). Mansfeld nennt als Gründe die allgemeine Verunsicherung nach der Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers Mitte September, die zwischenzeitlichen - mittlerweile ausgeräumten - Irritationen um die Steuervorteile von bestimmten Geldmarktfonds sowie die staatliche Einlagengarantie, die indirekt die Sicherheit von Fonds infrage gestellt habe.

Verbandsvertreter Stefan Seip sieht Licht am Ende des Tunnels: "Die Angst vor der Fondsanlage hat sich jetzt gelegt." Die Abgabewelle bei Geldmarktfonds, geldmarktnahen Produkten und entsprechenden Rentenfonds sei von 23 Mrd. Euro in der ersten Oktoberhälfte auf nur noch zwei Mrd. Euro in der ersten Novemberhälfte abgeflacht. "Im Dezember könnten wir insgesamt in die schwarzen Zahlen drehen", hofft Mansfeld.

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