Renditetief
Unternehmensanleihen sind kein Geheimtipp mehr

Vor zwei Jahren setzten Unternehmensanleihen zum Höhenflug an. Obwohl Experten weitere Gewinne erwarten, wird die Luft nach oben dünner. Anleger müssen nun differenzierter vorgehen.
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Anleihen befinden sich im Renditetief, sehr zum Leid der Anleger. Beispielsweise bieten Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von knapp fünf Jahren nur noch etwa 1,6 Prozent Rendite. Wer deutlich mehr haben möchte, kann auf Griechenland-Anleihen ausweichen, die für eine ähnliche Laufzeit mehr als elf Prozent Ertrag bringen - allerdings bei einem deutlich schlechteren Rating (BB+) im spekulativen Bereich.

Lange Zeit galt der Kauf von europäischen Unternehmensanleihen als "Geheimtipp". Boten diese zumindest noch einen deutlichen Renditeaufschlag zu deutschen Bundesanleihen. Doch nachdem viele Investoren die Corporate Bonds für sich entdeckt haben und den Firmen deren Anleihen förmlich aus den Fingern gerissen haben, sind die Kurse gestiegen und im Gegenzug die Renditen zusammmengeschmolzen: Daimler kommt für Anleihen mit einer Restlaufzeit bis 2015 noch auf eine Rendite von 2,75 Prozent, BASF 2,4 Prozent. Die Kurse beider Anleihen notieren aktuell bei weit über 100 Prozent, Anleger, die bei Emission eingestiegen sind, können - zumindest auf dem Papier - kräftige Kursgewinne verbuchen.

Die Kursanstiege der Unternehmensanleihen drücken sich auch in dem Rentenindex IBoxx Euro Liquid Corporates Diversified aus. In ihm sind 75 festverzinsliche Firmenbonds enthalten, deren Emittenten den Hauptsitz in Euroland, der Schweiz, Großbritannien, Schweden, Norwegen oder Dänemark haben. Seit dem drastischen Rückgang im Herbst 2008 ist der Index kontinuierlich gestiegen - die gezahlten Zinsen wurden als Wiederanlage mit in die Indexentwicklung eingerechnet.

Nicht alle Anleihen erfolgreich

In den vergangenen Wochen hat der Trend - zumindest kurzfristig - gedreht, der Rentenindex fällt. "Seit Anfang September ist das allgemeine Zinsniveau wieder gestiegen. Dadurch haben die Kurse der Unternehmensanleihen nachgegeben", erläutert Sascha Bluhm, Corporate-Bond-Analyst bei der WGZ Bank.

Während im Jahr 2009 die Kurse fast aller Euro-Unternehmensanleihen mit guter Bonität stiegen, müssen Anleger 2010 deutlich differenzierter agieren, meint Bluhm: "Inzwischen ist die Einzeltitelauswahl deutlich wichtiger geworden, um noch Anleihen zu finden, die von einer Einengung der Risikoaufschläge, der Spreads, profitieren."

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