Schiffsbeteiligungen
Investoren locken mit Schäppchenfonds

Den Einbruch der Preise für Schiffe und Schiffsfonds wollen risikobereite Investoren nutzen. Norddeutsche Spezialisten wie Hesse Newman Capital, HCI Capital und die Oltmann Gruppe legen mitten in der Schifffahrtskrise Schnäppchenfonds auf, um von den gesunkenen Preisen auf dem Zweitmarkt zu profitieren. Die Anleger bleiben jedoch skeptisch.
  • 0

HAMBURG. Selbst große Containerschiffe, die erst vor kurzem Fahrt aufgenommen haben, sind angesichts der Flaute derzeit oft für die Hälfte des Neupreises zu bekommen. Bei den Beteiligungen an Schiffsfonds liegen die Abschläge Marktteilnehmern zufolge im Schnitt zwischen 30 und 50 Prozent.

André Tonn, Chef der Oltmann Gruppe, ist überzeugt, dass das Potenzial antizyklischer Investitionen "bei weitem noch nicht ausgeschöpft" sei. Die Ostfriesen haben einen "Schnäppchenfonds I 2009" mit mehr als 35 Mio. Euro platziert. Noch in diesem Monat soll ein Nachfolgefonds vom Stapel gehen.

Die Idee der Antizykliker: Selbst skeptische Experten rechnen ab 2011 mit einem deutlichen Anziehen der Charterraten. Spätestens 2016 dürfte das Durchschnittsniveau der vergangenen zehn Jahre bei Containerschiffen erreicht sein, bei den krisenfesteren Tankern sogar früher. Der Markt kalkuliert die Nutzungsdauer eines Schiffs im Schnitt mit 25 Jahren.

Allerdings ist Vorsicht geboten. Die meisten Schnäppchenfonds starten als Blind-Pool: Die Anleger wissen nicht, in welche konkreten Schiffe ihr Geld investiert wird. Um Vertrauen zu gewinnen, werde nach verbindlichen Kriterien, wie einem vorgegebenen Schiffsmix und einer Minimalrendite von zehn Prozent vorgegangen, sagt Marc Drießen, Vorstand von Hesse Newman Capital. Es sei allerdings für den Vertrieb aktuell eine Herausforderung, private Anleger bei einer Einlage ab 20 000 Euro für Investitionen in die Schifffahrt zu gewinnen. "Wir müssen dem Vertrauensverlust begegnen", räumt Drießen ein. Die Antwort ist eine Risikoverteilung: Die Hamburger verdienen erst, nachdem der Anleger bevorrechtigt 7,5 Prozent auf das eingezahlte Kapital pro Jahr bekommen hat. Drei von 15 Mio. Euro sind platziert - Drießen kalkuliert für die weitere Vermarktung mehr Zeit als geplant ein.

Zu tief sitzt die Skepsis der Anleger gegenüber Schiffen, um sich auf die Chancen nach dem Boom einzulassen. Dabei reichen jetzt erworbenen Schiffen Charterraten im unteren Bereich. Kommt der Aufschwung, sorgen steigende Schiffspreise für zusätzliches Renditepotenzial.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur

Kommentare zu " Schiffsbeteiligungen: Investoren locken mit Schäppchenfonds"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%