Sechs Fragen an: Bertrand Bricheux
„In der Krise haben sich liquide Strategien bewährt“

Welche Hedge-Fonds werden die Krise überleben? Bertrand Bricheux, Entwicklungschef der Union Bancaire Privée, nennt klare Kriterien. Im Handelsblatt-Interview erklärt er, warum vor allem liquide Strategien sich bewährt haben.

Können Hedge-Fonds wieder zur Wachstumsbranche werden?

Das verwaltete Vermögen wird zunächst abnehmen und vielleicht eine Billion Dollar erreichen. Eine Schrumpfung der Branche ist aber nach meiner Überzeugung keine schlechte Nachricht - ganz im Gegenteil. Nur talentierte und flexible Hedge-Fonds-Manager mit solider Infrastruktur und einer kritischen Kapitalgröße werden diese Krise überleben. Gibt es in einem Markt dann weniger Teilnehmer, eröffnet das letztlich den verbleibenden Akteuren neue Möglichkeiten.

Welche Hedge-Fonds-Strategien haben sich in der Krise bewährt?

Gesagt werden muss, dass sich Hedge-Fonds besser als Aktien entwickelt haben. In den vergangenen fünf Jahren haben sie den S&P 500-Aktienindex übertroffen. In der Krise haben sich vor allem liquide Strategien bewährt. Erfolgreich sind zum Beispiel Long/Short-Equity-Strategien. Managern der Strategien Global Macro und Managed Futures gelang es sehr gut, ausgeprägte Trends am Devisen- und Bondmarkt zu nutzen.

Welche Strategien sind denn zum gegenwärtigen Zeitpunkt vielversprechend?

Das aktuelle Umfeld verlangt es, einen starken Fokus auf die drei folgenden Punkte zu legen: Handel, Liquidität und Volatilität. Die Strategien Global Macro, CTA und Long/Short-Equiti bieten in diesem Kontext derzeit sehr gute Möglichkeiten. Wir gehen davon aus, dass die Rezession den Managern der Strategie "Distressed Securities" gute Möglichkeiten bietet. Sie werden in nächster Zeit aus vielen unternehmerischen Ereignissen auswählen können. Grund: die Insolvenzraten werden ein historisch hohes Ausmaß erreichen.

Hält die Branche am sogenannten Lock-up-Prinzip fest oder geht der Trend in Richtung täglicher Liquidität?

Tägliche Liquidität kann nur dann geboten werden, wenn sich genügend gute Manager finden, die sich in liquiden Anlageklassen tummeln. Bestimmte Strategien können nicht mit täglicher Liquidität angeboten werden. Anleger sollten in diese weniger liquiden Strategien nur dann investieren, wenn sie bereit sind, eindeutige Rücknahmebedingungen wie Lock-ups - also die Festlegung des eingesetzten Kapitals für einen fixierten Zeitraum - zu akzeptieren.

Was resultiert daraus?

Die Branche wird sich in Richtung der beiden Enden dieses Spektrums - die Aufteilung in liquide und weniger liquide Strategien - entwickeln.

Welche Investoren investieren heute in Hedge-Fonds?

Vermögende private und institutionelle Investoren sind die Hauptkunden. Wichtig ist, dass diese Anleger den Zeithorizont und das Liquiditätsprofil ihrer Investitionen verstehen. Für einen Anleger ist es ein denkbar ungünstiges Szenario, wenn er plötzlich feststellen muss, dass Einzel-Hedge-Fonds oder Hedge-Fonds-Dachfonds, in die er Kapital gesteckt hat, wesentlich illiquider sind als er zunächst angenommen hat.

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