Sechs Fragen an Gilles Glicenstein
„Mehrheit zog Geld aus ABS-Fonds ab“

Gilles Glicenstein greift die Investmentbanken an. Nach Ansicht des Leiters der 315 Mrd. Euro verwaltenden Anlagegesellschaft BNP Paribas Asset Management haben sie sich bei ABS-Papieren ihrer Verantwortung entzogen. Im Interview mit dem Handelsblatt verteidigt er die Schließung und erneute Öffnung seiner ABS-Fonds.

Handelsblatt: Sie haben als bisher einziges Fondshaus Produkte für forderungsbesicherte Anleihen, den sogenannten ABS, geschlossen und wieder geöffnet. Was ist an Geldern abgeflossen?

Glicenstein: Zu dieser Zeit hatten etliche Fondshäuser Probleme mit ihren ABS-Fonds. Zur Erinnerung: Im Interesse unserer Kunden haben wir am 7. August unsere drei ABS-Fonds geschlossen und sie am 28. beziehungsweise 30. August wieder geöffnet. Unter diesen dreien bieten wir den "Parvest Dynamic ABS" auch in Deutschland an. Am Tag der Schließung waren die Fonds rund 1,5 Mrd. Euro groß. Im September kamen sie noch auf eine Mrd. Euro, heute 250 Mill. Euro. Der "Parvest Dynamik ABS" hat in den vergangenen zwölf Monaten ziemlich genau zehn Prozent an Wert verloren.

Wie sind Sie mit den Engagements im heikelsten Segment, den schlechten US-Hypothekenpapieren, umgegangen?

Die Vermögensanteile an diesen Subprime-Titeln, die alle mit "AAA" oder "AA" geratet waren, lagen bei weniger als 35 Prozent. Der Markt dafür war und ist fast völlig ausgetrocknet. Die Spannen zwischen Kauf- und Verkaufspreisen waren in einem praktisch illiquiden Markt extrem breit, es war außerdem kaum ein fairer Wert für diese Papiere errechenbar. Über knapp drei Wochen hinweg haben wir mit Unterstützung eines großen US-Dienstleisters unsere Vermögenswerte bewerten können und jeden Tag Titel im Gegenwert von bis zu 15 Mill. Dollar verkaufen können - zu einem angemessenen Preis.

Ihr Vorgehen war sicher umstritten?

Als Bank sind wir von der Subprime-Krise kaum betroffen. Und als Leiter der Fondssparte bin ich nach wie vor davon überzeugt, dass wir das Richtige getan haben, um die Interessen unserer Kunden zu schützen - obwohl wir wegen der Wiederöffnung der Fonds als schwarzes Schaf in der Branche galten. Während der Schließungsphase konnten wir das Gros der Subprime-Papiere zu einem ordentlichen Preis verkaufen. Was mich bis heute stört: Keine Investmentbank konnte in der schwierigen Phase Preise nennen. Die Häuser wollten nicht in die Zwangslage kommen die Papiere zurück nehmen zu müssen; zu groß war die Angst darauf sitzen zu bleiben. Aber erstaunlicherweise hat niemand die Bewertungsprobleme kommentiert.

Was haben Ihre Kunden gemacht?

Da sich die Marktlage in den vergangenen Monaten weiter verschlechtert hat, zog die Mehrheit ihr Geld aus den drei Fonds ab. Nur wenige sind bisher zurück gekehrt. Käufer sind Versicherungen und andere Investoren mit langem Anlagehorizont. Die Liquiditätsprobleme sind auf andere Märkte jenseits des ABS-Segmentes übergeschwappt. Darüber hinaus knirscht es im Interbankenmarkt.

Sprechen Sie vom Verhältnis Banken und Unternehmen?

Als Fondshaus können wir oft gar nicht mehr mit den Banken konkurrieren. Viele Banken bieten ihren Kunden hohe Zinsen beispielsweise auf Festgeldkonten, weil sie Liquidität brauchen. Unternehmensinvestoren dagegen kaufen Geldmarktfonds mit sehr kurzen Restfälligen Titeln. Bei Fälligkeiten von drei Monaten oder länger weichen sie auf Bankemissionen aus, den so genannten Certificates of Deposit. Man sieht wie hart hier der Wettbewerb momentan ist.

Wie sehen Sie die Zukunft der ABS?

In den vergangenen Jahren wollten die Investoren immer höhere Renditen. Die Finanzbranche ist den Wünschen gerne nachgekommen und hat solche Produkte geliefert. Das ging gut solange es keine Liquiditätsprobleme gab. Die Zeiten sind vorbei. In Zukunft muss man sich auf bessere Risikodarstellungen einstellen. Vielleicht werden die Probleme teilweise mit Mindest-Haltefristen abgefangen.

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