Steigende Zinsen und eine Ausweitung der Renditeabstände bei Unternehmensanleihen träfen vor allem Indexfonds
BWK-Berater fürchtet Blase an den Rentenmärkten

Eines muss man den Verantwortlichen der britischen Gesellschaft Barclays Global Investors lassen: Ihren börsengehandelten, auf europäische Unternehmensanleihen guter Bonität spezialisierten Indexfonds iBoxx Euro Liquid Corporates haben sie im März 2003 genau im richtigen Moment auf den Markt gebracht.

HB HAMBURG. Weil viele Firmen nach mehreren enttäuschenden Jahren in den folgenden Monaten endlich wieder überzeugende Ergebnisse präsentierten, verkleinerten sich die Renditeabstände ihrer Anleihen gegenüber Staatspapieren kontinuierlich. Das führte zu kräftigen Kursgewinnen, die der Indexfonds dank seiner extrem günstigen Kostenstruktur fast ungeschmälert an die Anleger weiterreichte: Seit der Auflage ließ sich mit keinem vergleichbaren Produkt mehr verdienen, und mit einem Plus von 8,45 Prozent per Ende September führt der iBoxx Euro Liquid Corporates auch den jüngsten Zwölf-Monats-Vergleich seiner Kategorie an (siehe Tabelle).

Behält Dietmar Zantke von BW Asset Consult Recht, könnte es mit der Überlegenheit jedoch schon bald vorbei sein. "2006 wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ein schwieriges Rentenjahr, und angesichts der historisch niedrigen Risikoprämien dürften dann vor allem Corporate Bonds unter Druck geraten", sagt der Berater des aktuell auf Rang zwei liegenden BWK-Rentamax. Seinen Pessimismus begründet Zantke mit der überschüssigen Liquidität, die sich in den vergangenen Jahren an den Kapitalmärkten aufgebaut habe: "Wenn dieses Geld den Weg in die Realwirtschaft findet, dann ist das Inflationspotenzial enorm." Deshalb sei es nur eine Frage der Zeit, bis die Europäische Zentralbank dem Vorbild der amerikanischen Notenbank folge und die Zinsen erhöhe.

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Als bedenklich wertet der BWK-Berater auch, dass die Rentenmärkte mittlerweile zunehmend durch technische Faktoren gestützt werden. Dazu zählt er unter anderem den Trend, dass viele Versicherer und Pensionskassen ihre langfristigen Verbindlichkeiten deutlich stärker als in der Vergangenheit mit langfristigen Anlagen decken. "Angesichts der Tatsache, dass Automatismen wie dieser derzeit eine stärkere Rolle spielen als die Fundamentaldaten, kann man durchaus von einer Blasenbildung sprechen", warnt Zantke.

Während Indexfonds in einem sich derart verschlechternden Umfeld unweigerlich mit dem Markt nach unten gehen würden, will Zantke beim BWK-Rentamax aktiv gegensteuern. In den vergangenen Monaten reduzierte er deshalb bereits systematisch das Risiko, indem er die Laufzeiten verkürzte und noch stärker als bisher auf Emittenten mit bester Bonität setzt. Zudem machen weniger gefährdete Staatspapiere und Genussscheine inzwischen 15 Prozent seines Portfolios aus.

Mit dieser Politik gelang es Zantke in den vergangenen Wochen, den Abstand zum führenden iBoxx Euro Liquid Corporates weiter zu verkürzen. Mittelfristig bieten erstklassige Unternehmensanleihen Zantke zufolge allerdings weiter gute Chancen: "Jeder, der in Renten investiert, sollte auch Corporates halten."

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