Teldafax
Anleger zahlten für Anlagebetrüger

Die Affäre um den Billigstromanbieter Teldafax treibt neue Blüten: Gründer Michael Josten ließ seine eigene Kaution fremdfinanzieren. Im Gegenzug kam der verurteilte Anlagebetrüger auf freien Fuß. Noch heute ist Josten eine mächtige Figur im Firmengeflecht von Teldafax.
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DÜSSELDORF. Die Fondsgesellschaft Debi Select ist im Zusammenhang mit Geschäften des Billigstromanbieters Teldafax offenbar auf einen massiven Fall von Veruntreuung gestoßen. Wie ein Sprecher von Debi Select dem Handelsblatt bestätigte, hat der Geschäftsführer einer Tochtergesellschaft, Stefan Egli, augenscheinlich dafür gesorgt, dass mit dem Geld von Debi-Select-Anlegern eine Kaution bezahlt wurde. Die 800 000 Franken wurden über ein Darlehen finanziert. Im Gegenzug kam der Teldafax-Gründungsvorstand und verurteilte Anlagebetrüger Michael Josten auf freien Fuß. Der Zahlungsfluss ist durch Verträge und Kontoauszüge belegt, die dem Handelsblatt vorliegen.

"Dieser Vorgang wird derzeit geprüft. Wenn sich das als wahr herausstellen sollte, werden wir sofort sämtliche Maßnahmen ergreifen, um die Anlegergelder zu sichern", sagte ein Debi-Select-Sprecher. Selbstverständlich gehöre es nicht zum Geschäftszweck des Fonds, Anlagebetrüger aus dem Gefängnis zu holen.

Blindes Vertrauen zu Josten

Der Fonds erklärte, er halte derzeit Egli noch in seiner Tochterfirma Swiss Fact, weil er der einzige sei, der deren Unterlagen übersehe. Die Debi-Führung habe Egli schon vor Wochen aufgefordert, eine genaue Aufstellung der Investitionen zu geben, die über Swiss Fact mit den Fonds-Geldern finanziert wurden. Egli sei diesem Wunsch aber nicht nachgekommen - offenbar, weil er strikt auf Anweisung von Michael Josten gehandelt habe.

Egli äußerte sich auf Anfrage nicht. Doch ein Schriftwechsel Eglis mit Teldafax-Aufsichtsrat Dimitri Vassiliev vom 2. November stützt die Vermutung der Debi-Führung. Darin rechtfertigt sich Egli, er habe "immer nur im Auftragsverhältnis mit blinden Vertrauen Zahlungsflüsse ausgeführt".

Josten, dem Eglis blindes Vertrauen galt, wurde im März 2007 wegen eines früheren Anlagebetrugs zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Er war von März 2005 bis September 2007 Vorstandsvorsitzender von Teldafax und danach bis Juni 2010 Aufsichtsrat. Nachdem er sich 2008 in die Schweiz abgesetzt hatte, geriet er dort vorübergehend in Haft und kam mit dem Geld der Debi-Select-Anleger, umgeleitet über Swiss Fact, wieder frei.

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  • Wenn man sich mal im Netz über Herrn Geltinger schlau macht bekommt man, bis auf die Sache mit TelDaFax, ausschliesslich positive berichte. Kaum vorzustellen, dass er es bewusst zulässt sich in so ein negatives Licht rücken zu lassen!

    bei der ganzen berichterstattung vermisse ich jedoch einen Namen, der bei meinen Recherchen mehrmals aufgetaucht ist. Joachim Auer!

    Dieser war bei verschiedenen Firmen, die in Zusammenhang mit TelDaFax zu brinegn sind, bis vor Kurzem noch Verwaltungsrat. Welche Rolle spielte er bei den Machenschaften des Herrn Josten?

  • Neue Richtervereinigung:
    Wir konstatieren einen schleichenden Abbau des Rechtsstaats, der weitgehend parteiübergreifend von der Politik in Deutschland betrieben wird.

    Die bananenrepublik Deutschland, strukturell amoralisch, korrupt und bis ins Mark verantwortungslos.
    bereits die Väter unseres GG haben im Art.20 Abs. 3 und 4 geeignete Maßnahmen vorgesehen.
    „Jeder bürger hat die Pflicht zum Widerstand, wenn sich die Rechtssprechung nicht mehr an Recht und Gesetz gebunden fühlt“.

    ich war von 1973 bis 2004 Richter am Landgericht Stuttgart und habe in dieser Zeit ebenso unglaubliche wie unzählige, vom System organisierte Rechtsbrücke und Rechtsbeugungen erlebt, gegen die nicht anzukommen war/ist, weil sie systemkonform sind. in der Justiz gegen solche Kollegen vorzugehen, ist nicht möglich, denn das System schützt sich vor einem Outing selbst – durch konsequente Manipulation. Wenn ich an meinen beruf zurückdenke (ich bin im Ruhestand), dann überkommt mich ein tiefer Ekel vor „meinesgleichen“. Frank Fahsel, Fellbach

  • Rechtsstaat eben. Recht wird zur Handelsware: wer bezahlt kann das recht auf seine Seite beugen.
    Solche Dinge sind in unserer bananenrepublick nicht ungewöhnlich und werden ja auch nicht geahndet. Die Deals zwischen Staatsanwaltschaft und Angeklagtem laufen ja auch oft nicht anders.
    Lediglich bei bürgern dei nicht zahlen können ist das anders: Hier wird das recht in die andere Richtung gebaeugt, da kommt die volle Härte des Gesetztes zum Tragen.

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