Tendenzwende
Aktienfonds gesucht

Erstmals in diesem Jahre haben Anleger wieder frisches Geld in Aktienfonds investiert. Auch die Geldmarktfonds gewinnen wieder Freunde. Schon sprechen einige Vertreter der Investmentfondsbranche von einer Tendenzwende. Doch Rentenfonds verlieren weiter Kapital.

ina/rez FRANKFURT. Im September verzeichneten die laut Fondsverband BVI auf Privatanleger ausgerichteten Publikumsfonds Zuflüsse von knapp 0,5 Mrd. Euro. Einige Vertreter der Investmentfondsbranche wollen bereits von einer Tendenzwende sprechen. Doch „von einer tatsächlichen Trendwende zu reden wäre noch zu früh“, sagt Hans Joachim Reinke, Vorstand von Union Asset Management Holding. Jedenfalls gibt es ermutigende Signale: Die Union Investment berichtet auf Anfrage von „positiven Zahlen“ im Oktober. Ein Vertreter des Marktführers DWS beobachtet im laufenden Monat „eine weiter positive Tendenz“ nach Aktienfonds-Zuflüssen von 650 Mill. Euro im September.

Die Branche hat acht Monate lang Abflüsse aus Aktienfonds hinnehmen müssen. Der zaghafte Zustrom an Kapital im September reduzierte die enormen Abgänge im bisherigen Jahresverlauf bis Ende September auf 15,3 Mrd. Euro. Bis in den Spätsommer hatten Anleger den klassischen Fondsgruppen wie Aktienfonds den Rücken zugekehrt. Investoren scheuten reine Aktienrisiken oder sicherten sich dank der recht guten Kursentwicklung ihre Einstandsniveaus aus der Zeit vor der Jahrtausendwende. Hoch im Kurs rangieren hingegen Produkte mit Sicherheitspuffer wie Zertifikatefonds, die laut BVI 2007 bisher knapp 13 Mrd. Euro einsammelten.

Nun scheinen Anleger nicht mehr allein auf Sicherheit zu setzen. Im Herbst festigt sich offenbar die positive Tendenz bei Publikumsfonds insgesamt. „Das macht mir Mut“, sagt Reinke, der die gesamten Zuflüsse in diesem Segment im eigenen Haus auf 900 Mill. Euro beziffert. Vorrangig fließt das Geld nach Aussage Reinkes in „Garantieprodukte, steueroptimierte Portfolios und in den Bereich Altersvorsorge“.

Auch die zuletzt wegen der Krise bei forderungsbesicherten Wertpapieren (ABS) verschmähten Geldmarktfonds gewinnen wieder Freunde. „Wir haben den Boden gesehen bei Geldmarkt-Fonds; es fließt im Oktober wieder Geld hinein“, sagt ein Sprecher der Unicredit-Tochter Pioneer, deren Geldmarkt-Plus-Fonds maßgeblich für die hohen Abflüsse bei Pioneer von 2,1 Mrd. Euro im September verantwortlich war. Auch bei der DWS spricht man von einer Verbesserung; im Vormonat verbuchte der Branchenprimus noch deutliche Abflüsse von gut 1,2 Mrd. Euro vor allem bei Geldmarktfonds. Insgesamt verloren Geldmarktfonds im September Kapital in Höhe von 2,4 Mrd. Euro.

Anleger haben im Zuge der ABS-Vertrauenskrise massiv Geld aus so genannten erweiterten Geldmarktfonds abgezogen, obwohl diese Fonds überwiegend nicht in Papiere schlechter Bonität investiert sind. Seit Januar gelangten allerdings per Saldo knapp 26 Mrd. Euro in die Fonds, da Investoren vor Ausbruch der ABS-Krise ihr Geld aus Abneigung vor Kapitalmarktrisiken massiv in den Fonds parkten.

Hohe Abflüsse erfuhren im September Rentenfonds. Die Anleger ziehen sich aus ihnen im Zuge der steigenden Kapitalmarktzinsen zurück. Im vergangenen Monat gaben Investoren Fondsanteile im Wert von 2,6 Mrd. Euro zurück, im Gesamtjahr sind es 13,8 Mrd. Euro. Die Branche verwaltet aktuell ein Vermögen von 1,4 Bill. Euro, davon 735 Mrd. Euro in Publikumsfonds, 696 Mrd. Euro in Spezialfonds.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%