Trotz guter Fundamentaldaten verfehlt der Yen bislang die Erwartungen
Fondsmanager rätseln über japanische Währung

Es sollte eigentlich eine klare Sache sein: Die wieder erstarkte japanische Wirtschaft, die Aussicht auf steigende Zinsen und die Mittelzuflüsse durch ausländische Investoren sollten den Yen gegenüber Dollar und Euro eigentlich stärken. Doch das Gegenteil ist der Fall. Japans Währung gab von Anfang Juni 2005 bis Ende Mai 2006 deutlich nach.

HAMBURG. "Diese Entwicklung hat uns überrascht", räumt Stephan Hirschbrich von Union Investment ein. Auch er hatte in seinem globalen Rentenfonds Unirenta japanische Zinspapiere höher gewichtet als in seiner Benchmark, dem JP Morgan Global Government Bond Index. Das war einer der Gründe, weshalb sein Fonds in den vergangenen zwölf Monaten ein Minus von 4,77 Prozent erlitt (siehe Tabelle).

"Die Japaner haben in diesem Zeitraum viel Geld im Ausland angelegt; ausländische Investoren sind dagegen nur währungsgesicherte Positionen in Yen eingegangen", erklärt Hirschbrich das Phänomen. Dieses Ungleichgewicht habe zu einer sinkenden Nachfrage nach der japanischen Währung geführt und sie gegenüber Euro und Dollar gedrückt.

Inzwischen hat Hirschbrich seine Yen-Position auf 30 Prozent des Fondsvermögens zurückgefahren. "Sobald die Währung eine stärkere Dynamik nach oben entwickelt, werde ich jedoch aufspringen", sagt er. Fundamental spreche nämlich alles für den Yen. Es fehle nur "der Ruck in den Köpfen der Anleger".

Auch Markus Kohlenbach zeigt sich von der Entwicklung der japanischen Währung enttäuscht. Zwar hatte der Manager des DWS Inter-renta den Yen in den vergangenen Monaten gegenüber der Benchmark leicht untergewichtet. Doch auch sein Fonds erlitt ein Minus von 4,18 Prozent. Erst wenn Nippons Valuta über einen Zeitraum von mindestens einem Monat eine gute Entwicklung zeigt, will Kohlenbach seine Position ausbauen. "Dazu ist nicht einmal ein besonderes Ereignis nötig; es ist vielmehr eine psychologische Sache", sagt er.

Mit Blick auf den Dollar sind beide Fondsmanager für die kommenden Jahre skeptisch. Zwar hat sich die US-Währung mit einem Rückgang von gut drei Prozent gegenüber dem Euro in den vergangenen zwölf Monaten relativ stabil gezeigt. Doch "vor allem das hohe Zwillingsdefizit der USA wird die Währung schwächen", erwartet Unirenta-Manager Hirschbrich. Kurzfristig habe er die Position im Fonds allerdings ausgebaut, denn der eskalierende Konflikt im Nahen Osten treibe die Anleger auf der Suche nach Sicherheit in die US-Devise.

Kohlenbach ist da nicht so optimistisch: "Derzeit spricht nur der Zinsvorsprung gegenüber Europa und Japan für die US-Währung. Und das sollte sich bald ändern", sagt er. Er rechnet damit, dass die stärksten Leitzinserhöhungen nun in Europa und Japan anstehen.

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