Umfrage: Profis erwarten sinkende Firmengewinne
Fondsmanager fahren Bargeldquote hoch

Immer düsterer sehen führende Vermögensverwalter die Weltkonjunktur. Erstmals seit mehr als drei Jahren rechnet eine Mehrheit der von Merrill Lynch monatlich befragten Vermögensverwalter damit, dass die Gewinne der Firmen in den kommenden zwölf Monaten weltweit sinken.

HB FRANKFURT/M. Inzwischen erwarten 53 Prozent der Befragten, dass sich das globale Wirtschaftswachstum abschwächt. Im Juli war es eine relative Mehrheit von 44 Prozent gewesen. „Fondsmanager setzen nicht mehr auf Firmengewinne, sondern auf Liquidität“, sagt David Bowers, Chef-Investmentstratege bei Merrill Lynch. Als bestmögliche Verwendung von freiem Firmenkapital bevorzugten die meisten Vermögensverwalter erstmals Aktienrückkäufe oder Dividenden. In den Monaten zuvor waren Kapitalinvestitionen präferiert worden.

Folglich nimmt der Risikoappetit der Fondsmanager immer mehr ab: Inzwischen bezeichnet mehr als ein Drittel die eigene Risikoneigung als „geringer als normal“, im Juni war es gerade mal ein Viertel. Dazu passt, dass nun fast die Hälfte der Befragten Liquidität übergewichtet; das sind so viele wie zuletzt zu Beginn des Irak-Krieges im März 2003. Im Durchschnitt halten sie nun knapp fünf Prozent des Vermögens liquide, das sind fast 15 Prozent mehr als im Juli.

Generell gewichten die Vermögensverwalter in ihren Portfolios Aktien noch immer über, auch wenn das Gewicht mit 50 Prozent das niedrigste seit März 2003 ist. Das Übergewicht von Liquidität hat hingegen zugelegt. Anleihen gewichten die Vermögensverwalter weiterhin unter. Von der Bewertung her halten sie Aktien noch immer für fair bewertet und Anleihen für teuer.

Nach Regionen hat sich die Abneigung der Profi-Investoren gegenüber US-Aktien verstärkt. Mit 55 Prozent gewichten ebenso viele Fondsmanager US-Titel unter wie 2002 zur Zeit der Enron- und World Com-Bilanzskandale. Japan bleibt mit einer schwächeren Mehrheit die beliebteste Anlageregion vor der Eurozone und Schwellenländern. Aktien aus diesen Regionen gelten im Gegensatz zu US-Titeln weiterhin als günstig. Nach Sektoren gewichten die Fondsprofis Versorger- und Pharma- Titel am stärksten über, Bankaktien am stärksten unter. Auch der weltgrößte Vermögensverwahrer State Street stellt bei Profi-Anlegern eine Vorliebe für defensive Werte fest.

Gefragt nach dem Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen, sehen 41 Prozent John Kerry als Sieger, 37 Prozent George Bush. Auf die Finanzmärkte hätte ein Machtwechsel laut 44 Prozent der Befragten keinen Einfluss, gut ein Drittel fürchtet negative Folgen.

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