Unter der Lupe
Bewährungsprobe für Fidelity

Alexander Scurlock steht unter Druck. Knapp sechs Monate bleiben dem Fondsmanager der angelsächsischen Fondsgesellschaft Fidelity noch, um sein selbst gestecktes Ziel zu erreichen: den Fidelity European Growth Fund, einen der größten und bekanntesten Aktienfonds im Land, wieder auf Kurs zu bringen.

FRANKFURT. Anfang 2007 übernahm der selbstbewusste, stets gut gelaunt wirkende Brite Alexander Scurlock den den Fidelity European Growth Fund, dem Anleger nach schwacher Performance massiv Geld entzogen hatten.

Innerhalb von drei Jahren wollte er den Vorzeige-Fonds wieder „ganz an die Spitze“ geführt haben, hatte Scurlock zum Start angekündigt: Das Jahr 2007 verlief zu seiner Zufriedenheit. Der Fonds gehörte mit einem Wertzuwachs von gut sechs Prozent zu den besten seiner Gruppe, auch wenn weiter Anlegergeld abfloss. Auch „2008 lief gut, bis ins vierte Quartal“, sagt Scurlock im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Da habe ich zu früh Finanzwerte gekauft“, gibt er zu. Die Wucht der Lehman-Pleite habe er unterschätzt – und auch keine weitere Beben wie den Madoff-Skandal erwartet. Der Fonds verlor 2008 fast die Hälfte an Wert und schnitt schlechter ab als die meisten Konkurrenten. Anleger zogen im vergangenen Jahr noch einmal 1,8 Mrd. Euro ab, im Fonds blieben 6,6 Mrd. Euro – das ist ein knappes Drittel des Vermögens zu Spitzenzeiten.

Doch Scurlock wäre nicht Scurlock, würde er nicht positiv und selbstbewusst nach vorn schauen: „Aktien sind günstig bewertet wie lange nicht, es gibt unglaubliche Chancen“, findet er und meint, dass die Aktienmärkte als Vorläufer einer beginnenden realwirtschaftlichen Erholung im kommenden Jahr die Talsohle erreicht haben dürften. Nach Kurs-Buchwert- und Kurs-Gewinn-Betrachtungen seien europäische Aktien trotz der Kurserholung im Frühjahr so billig wie seit 20 Jahren nicht, argumentiert er.

Im Fidelity European Growth Fonds, dem aktuell 96 Standardwerte angehören, wettet der 42-Jährige jetzt stark auf die Branche, die in der Krise die meisten Schlagzeilen gemacht hat: Banken. Seine Argumentation: „Die Krise im Finanzsektor ist vorbei, die Finanzwirtschaft arbeitet wieder und macht gutes Geschäft.“ Ihn interessieren dabei die noch am Kapitalmarkt agierenden Banken, die „hohe Margen erzielen und auf enormen Kapitalbedarf treffen“. Die Deutsche Bank, Barclays oder Credit Suisse gehören zu seinen Favoriten. Scurlock sucht jeweils nach den führenden Anbietern eines Sektors, in dem er besondere Wachstumschancen erwartet. Ist er von etwas überzeugt, fokussiert er das Fondsportfolio: Finanzen sind mit knapp dreißig Prozent stärkster Sektor im Fonds.

Sein zweiter Schwerpunkt sind konsumbezogene Titel. Hier gefallen ihm vor allem Konzerne, die von einem Anziehen der US-Konjunktur profitieren würden, wie Autobauer oder Hotels. Als Beispiel nennt er VW Vorzugsaktien oder den weltgrößten Hotelbetreiber Interconti.

Sein pointiertes, freies Agieren bringt ihm Lob ein bei Ratinghäusern: „Wir mögen solche flexiblen Strategien, wenn erfahrende Investoren wie Scurlock sie anwenden“, meint Morningstar-Analyst Javier Saenz de Cenzano. Scurlocks Leistung bewertet er mit „leicht überdurchschnittlich“, wenngleich es ihm noch zu früh für ein aussagekräftiges Urteil ist. Der Analyst traut Scurlock zu, langfristig mehr Ertrag als der Markt zu erzielen. Bewiesen habe er dies aber vor allem in den acht Jahren als Manager eines anderen Euro-Aktienfonds. Mit dem European Growth Fund schlug Scurlock seinen Vergleichsindex bisher nur 2007.

Feri stuft den Fonds aktuell mit seiner zweitbesten Note „B“ ein. Nach dem schwachen Jahr 2008 hat der Fonds sein Spitzenrating verloren. Generell lobt auch Fondsanalyst Andre Härtel Scurlock als „freien Querdenker, der mit seinem Vorgängerfonds gezeigt hat, dass er mit Bluechips umgehen kann“. Doch beim European Growth bleibe noch einiges zu tun: So habe Scurlock mit seinem großen Anteil an Finanztiteln in der jüngsten Aufschwungsphase den Markt nicht schlagen können, obwohl diese Aktien am stärksten zulegten, wundert sich Härtel. Während der Fonds bis Ende Mai knapp acht Prozent zulegte, schaffte sein Vergleichsindex 8,4 Prozent.

Die Anleger vertrauen Scurlock offenbar wieder. Fidelity berichtet von leichten Zuflüssen von 100 Mio. Euro in diesem Jahr. Ein Großteil des Fondsvermögens stammt von privaten Anlegern, davon knapp die Hälfte aus Deutschland.

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