Vermögensverwalter im Interview
„Bestimmte Geschäfte macht man nicht“

Die Spekulation mit Lebensmitteln steht in der Kritik. Unter Beschuss: die Deutsche Bank. Im Interview erklärt ein Experte, warum er solche Geschäfte ablehnt - und wie er vom Boom der Nahrungsmittelbranche profitiert.
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Herr Sommer, Sie investieren im Nahrungsmittelsektor. Finden Sie das unanständig?

Walter Sommer: Nein, denn wir spekulieren nicht mit Grundnahrungsmitteln oder Agrarrohstoffen. Das überlassen wir anderen. Wir investieren in Unternehmen, die Nahrungsmittel herstellen und vertreiben – vom Saatguthersteller über Düngemittel-Produzenten bis hin zum Hersteller von Fertiggerichten. Das ist etwas völlig anderes.

Warum keine Agrarrohstoffe?

Wir sind keine Moralisten. Aber bestimmte Geschäfte macht man einfach nicht. Wir können auch gar nicht anders, wir brauchen immer eine Bilanz, die wir analysieren können. Weizen, Mais oder Reis haben keine Bilanz. Davon lassen wir die Finger.

Die Deutsche Bank sagt, die Terminmärkte hätten keinen Einfluss auf die Preise für Nahrungsmittel und hält an derartigen Geschäften fest. Was sagen Sie?

Was auf den Terminmärkten geschieht, ist kein Würfelspiel im Hinterzimmer, ohne irgendwelche Auswirkungen. Manchmal wird das so dargestellt, aber das stimmt nicht. Die Spekulation mit Grundnahrungsmitteln beeinflusst definitiv die Preise.

Wieso sollte man überhaupt in Unternehmen aus der Lebensmittelbranche investieren?

Der Trend ist doch klar: Mit dem Wachstum der Weltbevölkerung wird auch der Nahrungsmittelsektor wachsen. Das sind hervorragende Voraussetzungen für ein Basiskonsuminvestment mit existenzieller Bedeutung.

In der Vergangenheit wurden schon viele Megatrends ausgerufen, die anschließend in einer großen Enttäuschung für Anleger endeten.

Ich gebe Ihnen recht, es gab viele Modeerscheinungen, die gekommen und dann wieder gegangen sind. Aber bei Nahrung handelt es sich nicht um eine Mode. Jeder Mensch muss essen – es geht nicht ohne. Überlegen Sie, welche Rolle das Essen in unserer Gesellschaft spielt. Wenn wir etwas feiern wollen, dann gehen wir mit Freunden Essen und Trinken. Oder schauen Sie sich an, wie viele Kochsendungen im Fernsehen laufen. Wir denken jeden Tag circa 15 bis 20 Mal ans Essen. Wenn wir aber zwei Tage nichts zu essen bekommen, dann verschiebt sich das radikal. Dann denken wir nichts anderes als: Wo bekomme ich etwas Essbares her?

In weiten Teilen der Welt ist das die Realität. Die Menschen haben nicht genug, um sich ausreichend zu ernähren.

Gerade deshalb ist es so wichtig, dass die Welt mehr Nahrungsmittel produziert. Es geht nicht anders. Jeden Tag wächst die Weltbevölkerung um 228.000 Menschen. Bis zum Jahr 2030 werden mehr als acht Milliarden Menschen auf der Erde leben. Zugleich ändern sich die Essgewohnheiten. In den Schwellenländern entsteht eine Mittelschicht, die westliche Standards adaptiert. Der Verbrauch von Fleisch und Molkereiprodukten wird deutlich steigen. Wenn sich jeder Mensch wie ein Mitteleuropäer ernähren würden, dann bräuchten wir fünf Mal so viele Ressourcen, wie auf der Erde vorhanden.

Kommentare zu " Vermögensverwalter im Interview: „Bestimmte Geschäfte macht man nicht“"

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  • Dieses Gerede um " Spekulation " ist wieder mal ein Gutmenschen-Thema schlechthin.Die Terminbörsen sind ehrlich und wichtig, nicht zuletzt für die Commercials, die durch Hedging ihr Risiko minimieren und unsere Preise erst stabil halten.

  • Die Spekulation mit Nahrungsmitteln, Öl, Immobilien (Güter des täglichen Bedarfs) sind die neuste Strategie der Reichen und Superreichen um das Weltvermögen in die eigenen Taschen zu leiten.

    Je astronomischer die Vermögen, desto höher die spekulativen Preise. In Deutschlands Ballungsräumen kann kein normaler Mensch mehr Immobilioeneigentum erwerben, da er nicht mit den großen Vermögen konkurrieren kann. Auf der anderen Seite steigen die Mieten deswegen massiv, ohne, daß sich die Einkommen ändern würden. Das selbe gilt für Öl und Nahrungsmittel.

    Würde man die Interessen der Mehrheit der Weltbevölkerung als Leitbild nehmen, müsste man derartige Spekulationen sofort verbieten. Dazu müsste man die "Börsenabsicherung" nur an eine zwangsweise physische Lieferung binden. Da würden viele staunen, wie gering der tatsächliche Bedarf nach Mondpreisen wirklich ist.



  • Wir brauchen keine Konzerne, die noch mehr Nahrungsmittel für die wachsende Bevölkerung produzieren. Es ist genug da, wir müssen es nur anders verteilen.
    Interessant, dass eine Firma, die Aroma- und Zusaztstoffe herstellt, eine lohnende Anlage darstellt. Mit viel Chemie kriegen wir natürlich auch alle irgendwie satt.

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