Warum eine ganze Branche vor dem New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer zittert
Die schmutzigen Geheimnisse der Fonds

Gerade hat Eliot Spitzer der sieben Billionen Dollar schweren US-Fondsbranche den Krieg erklärt. Keine Schweißperle steht auf der Stirn des hageren Mannes mit dem lichten Haar, und auch keine fahrige Handbewegung deutet darauf hin, dass der Generalstaatsanwalt des US-Bundesstaats New York in diesem Moment nervös ist. Im Gegenteil. Spitzer, 44, wirkt ruhig, eiskalt und selbstsicher, als er vor hochrangigen Politikern in Washington sagt: „Die Strafen, die mein Büro verhängen wird, werden wehtun, und das sollen sie auch.“

Es ist der 4. November, New Yorks oberster Ermittler spricht bei einer Anhörung des Kapitalmarktausschusses des US-Repräsentantenhauses. Spitzers Auftritt dort markiert den vorläufigen Höhepunkt in einem Finanzskandal, der eine gesamte Branche und damit auch viele der renommierten Namen an der Wall Street zu erfassen droht.

Erst vorgestern schloss die zweitgrößte US-Investmentbank Morgan Stanley einen Vergleich mit der US-Wertpapieraufsicht SEC. Für unsaubere Praktiken beim Verkauf von Fondsanteilen zahlt die Bank nun 50 Millionen Dollar Strafe. Sie hatte unabhängigen Kundenberatern Sonderprämien versprochen, damit diese bevorzugt bestimmte Fonds anboten. Die Kundschaft aber erfuhr nichts von dieser Abmachung. Jetzt fragen sich unzählige Amerikaner, ob ihre Banker tatsächlich immer die beste Anlageform verkaufen oder eher solche, die üppige Maklerprovisionen versprechen.

Doch noch mehr als vor der SEC zittern die Banken vor Staatsanwalt Spitzer. Ende April hatte der den zehn größten Wall-Street-Banken wegen irreführender Aktientipps 1,4 Milliarden Dollar abgeknöpft, nun ist die Fondsbranche an der Reihe.

Der neuerliche Skandal begann am 3. September mit Spitzers Untersuchungen beim Hedge-Fund Canary Capital Partners. Hinter Canary steckt der Spross einer New Yorker Milliardärsfamilie, Edward N. Stern junior. Stern kaufte Fondsanteile nach Börsenschluss zum alten Tageskurs. In Fachkreisen spricht man vom Späthandel, der illegal ist und den die SEC künftig mit einem neuen Orderannahmeschluss, um 16 Uhr New Yorker Zeit, unterbinden will.

Außerdem missbrauchte Stern die Abweichungen zwischen dem offiziellen Fondspreis und dessen tatsächlichem Wert. Dieses so genannte „Market-Timing“ ist zwar nicht verboten, gleichwohl aber verpönt, weil es langfristig engagierten Investoren schadet. Dabei nutzen institutionelle Investoren die Preisunterschiede der Fondsanteile über verschiedene Zeitzonen zum schnellen Ein- und Ausstieg.

Neal Epstein, Partner des New Yorker Vermögensverwalters Overture Asset Management urteilt: „Spitzer hat die Branche geschockt.“ Zwar habe es vorher schon Gerüchte und Verdächtigungen gegeben, ergänzt der Autor vieler Studien über die US-Fondsbranche, „aber kaum harte Fakten“. Die lieferte Spitzer. Stern wurde mit einem lebenslangen Berufsverbot belegt und musste 40 Millionen Dollar Strafe zahlen.

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