Wölbern-Strafprozess
Verteidiger verlangen Freispruch für Schulte

Die Anwälte des ehemaligen Wölbern-Chefs werfen dem Gericht eine einseitige Beweiserhebung und Voreingenommenheit vor. Ein Freispruch dürfte die 40.000 betroffenen Anleger jedoch sehr enttäuschen.
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HamburgIm Strafprozess gegen den früheren Chef der Wölbern-Invest-Gruppe, Heinrich Maria Schulte, hat die Verteidigung Freispruch verlangt. Schultes Anwälte hoben auf die einseitige Beweiserhebung des Gerichts ab und warfen ihm Voreingenommenheit vor. Sie betonten, dass sich Schulte zudem als Mediziner auf seine Anwaltskanzleien verlassen habe.

Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen zwölf Jahre Haft verlangt. Sie hatte Schulte vorgeworfen, aus rund 30 geschlossenen Immobilienfonds der Wölbern-Gruppe insgesamt 147 Millionen Euro entzogen zu haben. Er soll sie laut Anklage in großen Teilen veruntreut haben und für andere Fonds, für seine Medizin-Institute und für sein aufwendiges Privatleben verwendet haben. Betroffen sind 40.000 Anleger, die nun hohe Verluste hinnehmen müssen.

Bereits seit September 2013 sitzt Schulte in im wuchtigen Altbau der Untersuchungshaftanstalt Hamburg ein. Insgesamt 327 Mal soll sich der Klinikprofessor und frühere Chef des Fondshauses Wölbern Invest an den Töpfen von Anleger-Fonds vergriffen haben. Millionenbeträge an Mieteinnahmen gingen bei den rund 30 Immobilienfonds regelmäßig ein. Genauso regelmäßig langte Schulte als Geschäftsführer der Fonds zu, beschreibt es die Staatsanwaltschaft. So, als wäre es sein eigenes Geld gewesen, nicht das der Anleger.

Das Mammutverfahren mit immer neuen Zeugenanhörungen und Anträgen wurde im Mai vergangenen Jahres eröffnet, bislang gab es rund 50 Verhandlungstage (Az.: 630 Kls 1/14). Schulte selbst hatte bis zuletzt Vorwürfe der Untreue bestritten. Er leugnet nicht unbedingt die Entnahmen, aber er will nichts Unrechtes getan haben.

Die meisten Anleger waren Kleinsparer. Sie hatten in gutem Glauben an die Seriosität von Wölbern 700 Millionen Euro in die geschlossenen Fonds des Initiators investiert. Die Fonds hätten die Liquidität dringend gebraucht, für Renovierungen der Bürohäuser, für Investments in den Verkauf der Gebäude, und für die versprochenen Ausschüttungen. Denn der Markt für Gewerbeimmobilien ist seit Auflage der Fonds deutlich schwieriger geworden.

Doch laut Staatsanwaltschaft benutzt Schulte das entwendete Geld zur Vorfinanzierung anderer, neu gegründeter Fonds, für seine schwächelnden medizinischen Kliniken und Forschungseinrichtungen und für seinen aufwendigen Lebensstil. Für Schmuck, Gemälde, Renovierung einer Villa an der Elbchaussee, Anwesen auf Sylt und St. Peter Ording eine Segelyacht mit 72.000 Euro Monatsmiete, Helikopter-Skiing.

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