Zwölf-Monats-Vergleich
Hohe Rohstoffpreise helfen Lateinamerika-Fonds

Lateinamerikanische Aktien als sicherer Hafen, das konnten sich noch vor einem Jahr wohl die wenigsten Anleger vorstellen. Doch die Fakten sprechen eine ganz klare Sprache. Seit Jahresbeginn halten sich Aktien aus Südamerika wesentlicher stabiler als die etablierten Märkte und die asiatischen Schwellenländerbörsen.

HAMBURG. Während die etablierten Aktienmärkte der Industrieländer ebenso wie die asiatischen Schwellenländerbörsen seit Jahresbeginn zweistellige Verlustraten hinnehmen mussten, hielten sich Aktien aus Südamerika vergleichsweise stabil. Auf Sicht von zwölf Monaten (Stichtag: 28. Februar) erzielten deshalb alle 24 in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Lateinamerika-Fonds einen Wertzuwachs von mehr als 20 Prozent (siehe Tabelle).

"Die Region ist sehr rohstoffreich, und die Rohstoffpreise sind auch während der Finanzmarktkrise sehr hoch geblieben", sagt Will Landers, der bei Blackrock den MLIIF Latin American Fund managt. Deshalb sei es verständlich, dass die Aktienkurse in dieser Zeit stabil geblieben sind. Die knapp 32 Prozent Wertzuwachs, die er mit seinem Fonds im Vergleichszeitraum erreichte, hält Landers noch nicht für das Ende der Fahnenstange.

"Die Zukunft der lateinamerikanischen Wirtschaft und der Aktienmärkte ist eng mit Rohstoffen verbunden", bestätigt Katy Dobson. Die Managerin des auf Rang acht liegenden Fonds Threadneedle Latin America erwartet durch die verstärkte Industrialisierung vor allem in China und Indien weiter hohe Preise.

Der Rohstoffbezug birgt aber auch Risiken. "Eine längere und tiefere US-Rezession als erwartet und eine Wachstumsschwäche in China könnte einen Crash der Rohstoffpreise auslösen", warnt Landers. Gleichwohl sieht er den Reiz der Region nicht allein auf Rohstoffe begrenzt: "Lateinamerika ist in einer starken wirtschaftlichen Verfassung, hängt nicht an den US-Rentenmärkten und hat ein attraktives Bewertungsniveau", fasst Landers die weiteren Vorzüge zusammen.
Über letzteres lässt sich allerdings streiten. "Mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,7 für 2007 sind lateinamerikanische Aktien nicht günstiger als asiatische Werte oder die der Industrienationen", gibt Tanguy Kamp zu bedenken. Für weitere Kursgewinne wäre somit Wirtschaftswachstum nötig, und das trotz der Rezession in den USA. Das könnte funktionieren, meint Analyst Kamp. Der USA-Anteil am lateinamerikanischen Export habe sich seit 2002 mehr als halbiert. Der Part der boomenden asiatischen Wirtschaften habe sich dagegen vervielfacht. "Aufgrund der US-Schwäche wird es keine Grippe-Epidemie in Lateinamerika geben", sagt auch Threadneedle-Managerin Dobson. Nur Mexiko sei mit einem US-Exportanteil von 85 Prozent recht anfällig.

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