Ackman, Paulson, Howard
Die Hedgefonds-Stars haben ausgefeiert

Die milliardenschweren Superstars der Hedgefonds-Branche können an die Erfolge der Finanzkrise nicht mehr anknüpfen. Die Anleger vertrauen ihr Geld lieber Computer-Nerds an als den partywütigen Bankertypen.
  • 0

Die 18 Tennisplätze des Fisher-Island-Clubs vor der Küste Miamis sind perfekt abgeschirmt. Die Luxusanlage ist nur per Boot zu erreichen. Bepflanzte Zäune schützen vor neugierigen Blicken. Hier prügelt Bill Ackman, Hedgefonds-Gründer, Milliardär und früheres Tennisass, Bälle übers Netz, um seinen Frust abzubauen. Vier Milliarden Dollar hat er mit einer Wette auf die kanadische Pharmaaktie Valeant versenkt. „Ein riesiger Fehler“, hat er in einem Brief an die Investoren seines Hedgefonds Pershing Square gestanden. Das Doppel mit Wells-Fargo-Manager Walter Dolhare läuft auch mies, 1:6 und 1:6 gegen zwei europäische Banker. Nach der Niederlage stöhnt Ackman: „Meine Karriere geht den Bach runter.“

Dem Ego schmerzt es, finanziell wird er es verkraften: Ackman besitzt privat noch 1,4 Milliarden Dollar. Er gehört zur Kaste der Börsengurus, denen vermögende Privatanleger und milliardenschwere Pensionsfonds ihr Geld anvertrauen. Weltweit verwalten Hedgefonds 3,1 Billionen Dollar in rund 9700 Fonds.

Ackman und Kollegen sind durch Börsenwetten unfassbar reich geworden. Die Milliardärsliste des „Forbes“-Magazins listet 40 Hedgefondsmanager auf, die über eine Milliarde Dollar besitzen. Die 25 Topverdiener in der Hedgefondsindustrie haben im vergangenen Jahr insgesamt elf Milliarden Dollar eingesackt. Doch Anleger bezweifeln zunehmend, ob gerade die alten Stars der Branche ihr Geld noch wert sind.

Flüchtiges Kapital

Anders als die bisweilen zum Understatement neigenden Banker haben viele Hedgefondsmanager kein Problem damit, ihr Geld zu zeigen. Villa in den Hamptons, Yacht auf den Bahamas – überall, wo es etwas zu feiern gibt, lassen es die Superinvestoren krachen.

Solange es für die Geldgeber läuft, akzeptieren diese Extravaganzen und astronomische Gehälter. Versenken die Manager Milliarden, wie zuletzt Ackman, ziehen sie ihr Geld schnell ab.

So wie bei David Einhorn, ebenfalls ein Star der Hedgefonds-Szene. Er hatte sich mit Wetten auf fallende Kurse bei Tesla und Amazon verhoben. Beide gehörten zu Einhorns „Bubble Basket“. Dumm nur, dass die Blase nicht platzte. Die Quittung waren minus 2,3 Prozent für den Fonds im ersten Halbjahr. Der Aktienindex S&P 500 hatte im gleichen Zeitraum 6,9 Prozent zugelegt. 400 Millionen Dollar zogen Anleger deshalb zur Jahresmitte aus Einhorns Hedgefonds Greenlight Capital ab. 2017 könnte das sechste Jahr in Folge sein, in dem Einhorn unterdurchschnittlich abschneidet.

Einhorn setzt den Negativtrend der Hedgefondsbranche fort. 100 Milliarden Dollar an Anlegergeldern verlor die Branche 2016. Gelitten haben traditionelle Manager. Manager, die nach rein zahlengetriebenen („quantitativen“) Computermodellen anlegen, gewinnen Geld dazu. Die „Quants“, meist Mathematiker, Informatiker oder Physiker, hängen die klassischen Manager ab: Fünf der sechs größten Hedgefondsanbieter sind heute Quants, die sich nur noch auf ihre Algorithmen verlassen. Der größte, Bridgewater von Quant-Superstar Ray Dalio, managt 122 Milliarden Dollar.

Bartt Kellermann, Chef der New Yorker Hedgefondsberatung Global Capital Acquisition, kennt die Szene. Quants seien der Gegenentwurf zu den Partyboys: „Die feiern keine Orgien, sondern ernähren sich vegan und halten sich mit Yoga fit“, sagt er. Kellermann organisiert die Veranstaltung „Battle of the Quants“, zu der sich die Zahlenfreaks regelmäßig in den großen Finanzmetropolen treffen. „Selbst beim Get-together wird gefachsimpelt“, sagt Kellermann.

Hedgefondsmanager alter Schule bleiben dagegen ihrer Vorliebe für riskante Wetten und ausschweifenden Lebensstil treu. „Die feiern immer noch fast jedes Wochenende exzessive Partys mit hübschen Frauen, saufen, rauchen und konsumieren Kokain“, verrät der Nachbar eines New Yorker Hedgefondsmanagers mit Wohnsitz in den Hamptons. Eindrucksvoll etwa der Fall des Hedgefondsmanagers Brett Barna, der Gäste im letzten Sommer zu einer Wohltätigkeitsparty eingeladen hatte.

„Charity“ ist wichtig in der Szene – gut fürs Image und finanziell zu verschmerzen. Diesmal muss aber einiges aus dem Ruder gelaufen sein: Der Besitzer der über Airbnb gemieteten 20-Millionen-Villa auf Long Island klagte über demoliertes Mobiliar, geklaute Kunstwerke und benutzte Kondome in den Schlafzimmern. Barna wusste von nichts, seine Gäste hätten doch nur im Garten Party gemacht. Sein Arbeitgeber, Hedgefondsmilliardär Louis Bacon, feuerte ihn trotzdem.

Kommentare zu " Ackman, Paulson, Howard: Die Hedgefonds-Stars haben ausgefeiert"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%