Aktien untergewichtet
Profi-Anleger scheuen das Risiko

Der Trend zur Sicherheit geht weiter: Institutionelle Anleger sind noch pessimistischer als schon vor einem Monat. Sie gewichten deshalb liquide Mittel über und ganze 48 Prozent der Fondsmanager haben Aktien untergewichtet - so defensiv waren die Profis selten.

FRANKFURT. Die sich zuspitzende Finanzkrise und die Börsenturbulenzen stimmen institutionelle Anleger noch pessimistischer als im Vormonat. Inzwischen halten die meisten Fondsmanager einen gewichtigen Teil des Kapitals in liquiden Mitteln und sind so risikoscheu wie kaum zuvor. Gegen weitere Kursverluste mit Aktien sichern sich viele ab. Da ungeachtet dessen viele Vermögensverwalter Aktien als relativ günstig ansehen, halten Experten inzwischen eine Kurserholung für möglich, die den auf weiter sinkende Kurse spekulierenden Anlegern Verluste bescheren würde (short squeeze). Dies ergibt die zwischen dem 7. und 13. März durchgeführte monatliche Umfrage der US-Investmentbank Merrill Lynch unter 193 Fondsmanagern, die ein Vermögen von 676 Mrd. US-Dollar verwalten.

Die Sorge über einen globalen Wirtschaftsabschwung verdichtet sich. Inzwischen erwarten zwei Drittel der befragten Fondsmanager, dass sich das globale Wirtschaftswachstum weiter abschwächt. Ein gutes Drittel rechnet mit einer globalen Rezession in den kommenden zwölf Monaten, im Februar erwartete dies erst ein knappes Fünftel. Zugleich fürchten die meisten Vermögensverwalter eine weiter zunehmende Inflation, sehen damit Stagflationstendenzen.

Inzwischen gewichten die meisten Fondsmanager liquide Mittel mit im Durchschnitt fünf Prozent ihres Portfolios über und sie gehen deutlich weniger Anlagerisiken ein. Laut Merrill Lynch halten mehr Profis ihr Pulver trocken als nach dem Terroranschlag am 11. September 2001.

Ungeachtet dieses Krisenszenarios sehen ein Großteil der Fondsmanager Aktien für relativ attraktiv an, Anleihen hingegen für überteuert. Diese Kombination aus hoher Liquidität, Risikoaversion und Vorliebe für Aktien habe in der Vergangenheit schon zu Börsenerholungsphasen geführt – und Anleger, die auf fallende Kurse setzten, böse erwischt, sagte David Bowers, Berater für Merrill Lynch. „Es sind viele Bestandteile für einen (solchen) short squeeze zu erkennen“, stellt er fest. „Es fehlt aber noch der Auslöser, der allerdings bei der beobachteten steigenden Rezessions- und Inflationssorge schwer auszumachen ist“, interpretiert er das Ergebnis der Umfrage, die als Stimmungsbarometer der Branche gilt.

Aktien haben 48 Prozent der Fondsmanager untergewichtet – so defensiv zeigten sich die Profis selten. Nach Regionen bevorzugen sie weiter Aktien aus Schwellenländern. Europa und USA sehen die Vermögensverwalter neutral, während sie japanische und britische Werte nicht mögen. Ihren Anleiheanteil haben einige zuletzt wieder etwas hochgefahren. Nach fast 50 Prozent im Januar gewichten aktuell noch 44 Prozent der Befragten Bonds unter.

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