Aktienbewertung
Der Dax wird wieder teurer

Aktien sind historisch billig - so begründeten Analysten über Monate ihre langfristige Zuversicht für die Börsen. Doch inzwischen hat sich das Bild gewandelt. Weil die Gewinne rasant wegschmelzen, verteuern sich Aktien - trotz fallender Kurse.

DÜSSELDORF. Anfangs sah alles nach einem Missverständnis aus. Als im vergangenen Winter die Kurse zu fallen begannen, die Firmengewinne aber weiter sprudelten, wurden Aktien immer billiger. Zumindest gemessen an der Relation zwischen Kurs und Nettogewinn - der maßgeblichen Kennzahl an den Finanzmärkten zur Unternehmensbewertung. Dabei hatten die Börsen die Konjunkturwende nur vorweggenommen. Denn jetzt fallen die Firmengewinne und Erwartungen stärker als die Kurse. Das belegen Handelsblatt-Berechnungen. Die Folge: Trotz sinkender Kurse - seit Jahresbeginn verlor der Dax fast acht Prozent - verteuern sich die Aktien.

In den vergangenen sechs Monaten haben sich Gewinne und Schätzungen für das Geschäftsjahr 2008 und 2009 für die 30 Dax-Konzerne um knapp 40 Prozent reduziert. Solch ein starkes Minus in so kurzer Zeit gab es noch nie. Weil sich der Dax in den letzten sechs Monaten "nur" um 30 Prozent reduzierte, verteuerten sich die Anteilsscheine. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) stieg um rund zehn Prozent auf nunmehr elfeinhalb - auf Basis der 2009er Gewinne. Noch im Oktober bezahlten Anleger den Dax nur mit dem Neunfachen.

Beispiele belegen den Missstand, besonders in der Automobilindustrie. Für BMW reduzierten Analysten der internationalen Bankhäuser ihre 2009er Gewinnerwartungen um drei Viertel - die Aktie fiel aber nur um 21 Prozent. Bei Daimler senkten Experten ihre Prognosen um 63 Prozent, der Kurs gab 37 Prozent nach. VW steht mit 50 Prozent niedrigeren Gewinnewartungen kaum besser da. Hier stieg der Kurs sogar um ein Drittel. Auch bei der Post und Lufthansa klaffen Ertragserwartungen und Kursentwicklung auseinander, sodass sich die Aktien trotz sinkender Kurse verteuerten.

Dass Aktien wie BMW und Lufthansa mit einem zuletzt auf 6,5 bzw. acht gestiegenen KGV historisch betrachtet immer noch preiswert sind, signalisiert ein tiefes Misstrauen der Anleger. Experten halten die Skepsis für berechtigt. "Gemessen mit anderen, vergleichsweise milden Rezessionen sind wir im gegenwärtigen Abschwung gerade bei der Hälfte angekommen", sagt Andreas Hürkamp von der Commerzbank.

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