Als Gewinner sinkender Lohnnebenkosten gelten vor allem MAN, Deutsche Post, Thyssen-Krupp und Siemens
Dax-Werte profitieren von Reformen

Der Weg für die Gesundheitsreform ist seit Freitag Morgen frei, die Reformvorhaben der Agenda 2010 sollen in den nächsten Wochen auf den Weg gebracht werden. Zentrales Thema für Anleger: Wie sehr sinken die Lohnnebenkosten Börsen gelisteter Unternehmen tatsächlich und steigern damit deren Ertrag?

FRANKFURT/M. Pauschal heißt es dazu bei den Experten: Wer eine hohe „Deutschlandlastigkeit“ aufweist, also den Großteil seiner Mitarbeiter hier zu Lande beschäftigt und so einen hohen Inlandsumsatz erwirtschaftet, dessen Aktie wird auch am meisten profitieren. „Wir sehen Potenziale für Personalkosteneinsparungen durch niedrigere Lohnnebenkosten, Bürokratieabbau, Flexibilisierung der Arbeit und günstigere Lohnabschlüsse“, sagt Jochen Rothenbacher von der Frankfurter Equinet AG.

Der Blick der Anleger gilt den sinkenden Lohnnebenkosten. Unter den Dax-Werten könnte nach Ansicht von Jochen Rothenbacher davon besonders MAN, die Deutsche Post, Thyssen-Krupp und Siemens profitieren. Sie alle haben hohe Mitarbeiterzahlen in Deutschland – bei der Deutschen Post waren es beispielsweise im vergangenen Jahr rund 67 % der gesamten Belegschaft, die einen Umsatzanteil am Gesamtgeschäft von rund 59 % beitrugen. Im Gegensatz dazu sind Fresenius Medical Care (FMC), Henkel, Schering, Linde, Siemens und Altana nur in geringem Umfang vom Geschäft im eigenen Land abhängig. Bei FMC beispielsweise betrug der Inlandsanteil im vergangenen Jahr nur 12 %.

Einen Sonderfall innerhalb der wenigen deutschlandlastigen Unternehmen stellt Siemens dar. Da die Münchener die mit Abstand höchsten Personalkosten von allen Dax-Unternehmen aufweisen, würden sie bei einer Senkung der Lohnnebenkosten im Vergleich zu den anderen Dax-Unternehmen überproportional profitieren. Umgekehrt spielen bei der Deutschen Telekom, Eon und RWE die Personalkosten trotz hoher Deutschlandlastigkeit nur eine untergeordnete Rolle.

Neben den direkten Auswirkungen auf die Unternehmen spielen nach Expertenmeinung auch die indirekten Konsequenzen der Reformen eine Rolle. „Die zentrale Fragen sind im Moment: Was wird umgesetzt? Und sind die Maßnahmen letztlich konjunkturbelebend oder letztlich sogar -belastend?“ sagt Klaus Schrüfer von der SEB AG. Sofern die Lohnnebenkosten allerdings gesenkt würden, würden letztlich alle Unternehmen profitieren.

Zu den Nutznießern der Reformen könnten vor allem auch Unternehmen gehören, die zuletzt aus konjunkturellen, strategischen oder auf Grund von Währungseffekten in den Augen vieler Analysten ein eher durchschnittliches Ansehen genossen. Die Deutsche Post beispielsweise wird gegenwärtig von den Analysten der US-Investmentbank Morgan Stanley wegen diverserer Akquisitionen, die jetzt eine Ausrichtung als Logistik-Komplett-Anbieter erfordern, noch immer mit „Untergewichten“ eingestuft. Eine Entlastung um 5 % in Deutschland würde jedoch beispielsweise nach den Berechnungen von Jochen Rothenbacher deren Personalkosten um 460 Mill. Euro senken. Und das hätte für das kommende Jahr eine Ebitda-Steigerung (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von 10,2 % zur Folge.

MAN könnte so im Ergebnis um 10,8 % zulegen, Thyssen-Krupp um 8,5 % und Siemens um 7,5 %. Die Konsequenzen auf den Aktienkurs wären unübersehbar. Erste positive Konsequenzen könnten im günstigsten Fall bereits ab dem ersten Quartal 2004 zu beobachten sein, glaubt SEB-Stratege Klaus Schrüfer.

Noch deutlicher als bei den Dax- gelisteten Blue Chips dürften die Auswirkungen der Reformen bei den kleineren Small- und Midcaps ausfallen. Der Grund: Deren Abhängigkeit vom Inlandsmarkt ist naturgemäß höher als bei den meist global agierenden Dax-Unternehmen. „Von möglichen Personalkostensenkungen sollten unter den Midcaps insgesamt sehr viele Unternehmen profitieren“, sagt Jochen Rothenbacher. Vor allem Koenig & Bauer, Gesco, Aixtron und DIS gehören zu seinen Favoriten. Bei diesen Unternehmen rechnet er bei reduzierten Personalkosten um 5 % mit einer Ebitda-Steigerung gegenüber der jetzigen Planung um deutlich über 7,5 %. Am geringsten wären die Konsequenzen hingegen seiner Ansicht nach bei Heidelberger Druckmaschinen, Stada, Puma und Qiagen.

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