Analyse
Die Suche nach dem sicheren Anlagehafen

Goldpreis auf Rekordhoch, Turbulenzen an den Aktienmärkten. Angesichts des Krisensturms suchen viele Investoren nach neuen Anlagemöglichkeiten - und investieren ihr Geld immer häufiger in die Schwellenländer.
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LondonIn stürmischen Zeiten an den Finanzmärkten brauchen Anleger einen guten Kompass. Denn viele Investoren sind auf der Suche nach einem sicheren Hafen, nachdem die Weltwirtschaft in Turbulenzen geraten ist und die Aktienbörsen bei jeder schlechten Nachricht gleich einbrechen. Bisher galten Staatsanleihen der Industrieländer sowie Gold als bevorzugte Ankerplätze. Doch wenn alle den gleichen Hafen ansteuern, wird es dort entsprechend voll. Die Folge: Viele Staatsanleihen werfen nur noch wenig Rendite ab und für Gold müssen Investoren mittlerweile weit über 1600 Dollar pro Feinunze hinblättern.

Es gilt also, andere Routen zu finden. Konkret bedeutet das nach Ansicht von Finanzexperten derzeit, dass Unternehmensbonds die bessere Alternative zu Staatsanleihen sind und einige Schwellenmärkte mehr Sicherheit bieten als Industrieländer. Das kann zumindest auf kurze Sicht helfen.

Bei Unternehmensanleihen raten Experten dazu, sich auch die dazugehörigen Aktien ins Portfolio zu holen, falls es sich um Firmen mit einem soliden Kapitalfluss handelt. „Die Haushaltslage in der Privatwirtschaft sieht sicher besser aus als die der öffentlichen Hand“, sagt Klaus Wiener, Chef der Research-Abteilung von Generali Investment in Köln. Viele Kommunen und Länder sind mit einer schlechteren Kreditwürdigkeit versehen als Privatfirmen. Ihre Zahl dürfte noch steigen, wenn die Bonität der USA - wie von den Ratingagenturen angedroht - herabgestuft werden sollte.

Nach Einschätzung Wieners werfen beispielsweise Firmen aus dem Versicherungssektor einen stabilen Cashflow ab. Daten von ThomsonReuters StarMine zufolge beträgt die Verschuldungsquote im Vergleich zum Eigenkapital im Versicherungssektor weltweit 0,41. Zum Vergleich: Beim Finanzsektor insgesamt beläuft sich die Verschuldungsrate auf 1,52. Je niedriger die Quote ist, desto leichter fällt es einem Unternehmen, seine Kredite zu bedienen. Auch Sanjay Joshi, Portfolio-Manager bei London & Capital Wealth Managers, bevorzugt zur kurzfristigen Absicherung neben Unternehmensanleihen auch die Aktien ausgewählter Firmen. Dazu zählt er den US-Pharmakonzern Johnson & Johnson, den Einzelhandelsriesen Wal-Mart oder dessen britischen Rivalen Tesco. Die Verschuldungsquote von Wal-Mart liegt beispielsweise bei 0,2.

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