Anlage
Experten raten zu Aktien aus Europa

Die Prognosen für den europäischen Aktienmarkt bleiben weiterhin positiv. Die daraus folgenden steigenden Firmengewinne locken die Anleger. Doch nicht alle Branchen sind aussichtsreich.

FRANKFURT. Zwei wesentliche Aspekte werden die internationalen Wertpapiermärkte nach Aussagen der bedeutendsten Banken in diesem und im kommenden Jahr besonders beschäftigen: Zum einen geht es darum, inwieweit sich die Weltkonjunktur in Zukunft abschwächt, nachdem sie im Moment ihren zyklischen Höhepunkt erreicht hat. Damit verbunden ist die Frage, wie sehr das Gewinnwachstum der Unternehmen dadurch zurückgehen wird. „Die US-Wirtschaft verlangsamt sich, aber der Rest der Welt bleibt stark“, sagt Peter Oppenheimer, der bei der US-Bank Goldman Sachs in London die Portfoliostrategie leitet.

Die Konsequenz für ihn: Die Leitzinsen werden in den USA wieder fallen – er rechnet mit bis zu 125 Basispunkten im kommenden Jahr –, und der Dollar wird zum Euro weiter verlieren. 1,37 Dollar müssen seiner Ansicht nach im kommenden Jahr für einen Euro bezahlt werden, zurzeit sind es rund zehn Cent weniger. Diese Entwicklung würde vor allem exportorientierte Branchen wie Automobil, Pharma und Industrie treffen. „Besonders die Automobilindustrie dürfte hierunter leiden“, sagt Hendrik Garz von der WestLB. Sie ist deutlich stärker vom Verhalten der privaten Konsumenten abhängig als die beiden anderen Branchen.

Generell sind die Aussichten für europäische Aktien aber weiter gut. So erwartet Oppenheimer, dass die Unternehmensgewinne hier im Schnitt um sechs Prozent wachsen. Fünf bis sieben Prozent sagt Andreas Wex, Leiter der Aktienmarktstrategie der Dresdner Bank, voraus. Das ist nach Zuwächsen im zweistelligen Bereich in den vergangenen Jahren zwar ein deutlicher Abschwung, im langfristigen Mittel jedoch noch etwas besser als der Durchschnitt. Die US-Bank Morgan Stanley erwartet, dass der MSCI-Europe-Index in den nächsten zwölf Monaten elf Prozent zulegt und rät zum Kauf europäischer Titel.

Die meisten Investoren haben jedoch ein grundlegendes Problem. „Defensive Werte, in welche Risikoscheue jetzt gehen müssten, sind in Europa relativ teuer. Und wer in der aktuellen Phase zyklische Werte wählt, muss schon eine klare Meinung zur wirtschaftlichen Entwicklung haben“, sagt Christian Hefti, der in Frankfurt das Vermögensmanagement bei der Schweizer Großbank UBS leitet. Die Anleger sollten daher nicht nach Defensive oder Zyklik unterscheiden, sondern danach, ob eine Branche vom schwächer werdenden privaten Konsum abhängig ist oder nicht, rät Oppenheimer. Er favorisiert Aktien aus den Bereichen Investitionsgüter, Versicherungen, Luxusgüter, Medien, Minen, Öl und Gas, Pharma, Software und Transport. Die Finger sollten Anleger dagegen von Autos, Chemie, Nahrungsmitteln, Immobilien, Versorgern, Telekoms und Touristik lassen.

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