Anlagestrategie
Aktienkurse bleiben anfällig

Die teils heftigen Marktschwankungen und die seit Jahren rückläufige Zahl der Aktionären in Deutschland stehen nach Ansicht von Experten in direktem Zusammenhang. Finanzfachleute raten zu einem längeren Anlagehorizont.

FRANKFURT. "Für Kleinanleger wird es immer schwieriger durchzublicken, warum die Marktschwankungen immer deutlicher ausfallen", sagte Henning Gebhardt, Leiter deutsche Aktien bei der Fondsgesellschaft DWS gestern bei einer Podiumsdiskussion in Frankfurt.

Das Credo dabei war eindeutig: Die Berechenbarkeit der Märkte ist in den letzten Jahren schwieriger geworden. Das liegt zum einen an der veränderten Gruppe der Investoren, an deren kürzeren Anlagehorizonten und am immer stärkeren Einsatz von Derivaten. "Allein deswegen sind beispielsweise die Schwankungen des Deutschen Aktienindex stärker als in vielen anderen europäischen Indizes", sagt Gebhardt.

Diese an sich für Privatanleger bereits schwer vermittelbare Problematik wird nach Ansicht von Rüdiger von Rosen, Geschäftsführer des Deutschen Aktieninstituts (DAI) noch erschwert, weil die Experten selbst keine klaren Antworten geben. Das zeige sich zum Beispiel an den teils völlig unterschiedlichen Dax-Prognosen aus den großen Häusern.

Abhilfe in diesem Dilemma bietet laut Lars Förberg vom schwedischen Großinvestor Cevian Capital ein längerer Anlagehorizont. "Das geläufige Kriterium von einem Jahr ist falsch", sagt er. Sein Unternehmen, das sich selbst als aktiver Investor bezeichnet und deshalb direkt in die Firmenpolitik seiner Beteiligungen eingreift, favorisiert meist einen Anlagehorizont von drei bis vier Jahren. Die Schuld an den starken Kursschwankungen gibt er aber auch dem Entlohungssystem für die Boni von Managern, das meist ebenfalls nur auf einen Zeitraum von einem Jahr ausgerichtet ist und das deswegen auf kurzfristigen Kurserfolg der Aktie setzt.

Anleger sollten deshalb nach dem Kurseinbruch von über 20 Prozent, den beispielsweise der Dax seit Jahresbeginn hinnehmen musste, nicht in Panik geraten. Im dreijährigen Durchschnitt liegt das deutsche Marktbarometer aktuell nur knapp unter seinem Durchschnitt von 6 500 Punkten. "Insofern nähern sich die Börsen an einen Zustand der Normalität an", sagt Dirk Notheis, Co-Leiter des Investment-Banking bei Morgan Stanley in Frankfurt.

Deutsche Anleger müssen sich indes wohl dauerhaft damit abfinden, dass der Dax wegen der vielen volatilen Branchen wie Auto und Pharma und der hohen Anzahl an Derivaten besonders schwankungsanfällig bleiben wird.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%