Anlegen 2016 – Teil 6 – Aktien Europa
Der alte Kontinent ist erste Wahl

US-Aktien sind schon recht teuer, Schwellenländer-Titel ziemlich riskant. Kein Wunder, dass Experten zu europäischen Aktien raten. Doch wie groß sind die Chancen wirklich? Wie hoch ist das Risiko?

DüsseldorfDie Bäume wachsen an der Börse auch 2016 nicht in den Himmel: Experten bevorzugen zwar ganz klar europäische Aktien, aber mit großen Gewinnen sollten Anleger nicht rechnen. Wohl aber mit großen Schwankungen. Das große Thema an den Märkten ist und bleibt die Politik des billigen Geldes.

Die amerikanische Notenbank Fed hat die Zinswende bereits eingeleitet – wenn auch mit Trippelschritten. Weitere Zinserhöhungen sollen folgen, was auch die europäischen Märkte belasten könnte. Schließlich ist die amerikanische Wall Street die Leitbörse der Welt. In der Euro-Zone herrscht auf absehbare Zeit noch geldpolitischer Stillstand. Doch auch das hat Folgen.

Die Nullzinspolitik hat in allen Anlageklassen zu höheren Preisen geführt – egal ob Aktien, Anleihen oder Immobilien. „Die steilen Aufwärtstrends an den Aktien- und Spread-Märkten flachen ab“, sagt Deka-Chefanlagestratege Frank Hagenstein. „Künftige Kurszuwächse werden geringer ausfallen, daher bevorzugen wir für 2016 Income-Märkte und setzen verstärkt auf eine ausgewogene Mischung aus Dividenden oder Hochzinsanleihen.“ Regelmäßige Erträge in Form von Dividenden oder Zinskupons, also „Income“, scheinen das Gebot der Stunde zu sein.

Große Kurszuwächse erwarten die wenigsten. Zu den optimistischsten Häusern gehört die Deutsche Bank, die dem breiten europäischen Index Stoxx 600 im neuen Jahr immerhin ein Plus von zehn Prozent zutraut. Der größte Vermögensverwalter der Welt Blackrock erwartet lediglich gedämpfte Zuwächse an den meisten Aktienmärkten. Die weltweite Flut „billigen Geldes“, die in den vergangenen Jahren zu höheren Bewertungen geführt hat, habe ihren Gipfel erreicht, schreibt das Blackrock Investment Institut in seinem Kapitalmarktausblick.

Für viele Märkte gilt, dass die Aktien nicht mehr günstig sind und die Gewinnmargen der Unternehmen unter Druck geraten. Daher ist Wirtschaftswachstum notwendig, um die Erträge zu steigern. „Für ein Jahr mit beschleunigtem Wachstum der Weltwirtschaft kam das Jahr 2015 nur schwer aus den Startlöchern. Auch 2016 wird sich daran wohl nicht viel ändern”, sagte Christopher Probyn, Chief Economist von State Street Global Advisors. „Die Anleger sollten daher ihre Werte in diesem wachstumsschwachen Umfeld besonders effektiv verwalten.”

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