Anleger in London favorisieren zyklische Sektoren
Briten setzen auf Wendekandidaten

In der Realwirtschaft haben sich Großbritannien und Irland vom europäischen Kontinent abgekoppelt. Die Wachstumsraten sind höher, die Verbraucher konsumieren stärker. Am Aktienmarkt dagegen schließen sich London und Dublin dem europäischen Trend an. Und der weist klar nach oben.

LONDON. Seit seiner kurzen Schwächephase im März ist der Londoner Leitindex FTSE-100 um mehr als 30 Prozent gestiegen. Der für Irland relevante Iseq Overall, der alle 81 gelisteten Unternehmen enthält, stieg immerhin um mehr als 20 Prozent. Als Wachstumsmotor gelten an Themse und Liffey die guten Aussichten der Weltwirtschaft, von denen heimische Unternehmen profitieren sollten. Unterstützt wurde der Aufwärtstrend dadurch, dass die Bewertungen vieler Unternehmen nach dem dreijährigen Bärenmarkt zu Beginn des Jahres am Boden lagen. Der Aktienmarkt war (zu) billig.

Analysten und Fondsmanager sind optimistisch, dass der positive Trend anhält, wenngleich er „über die nächsten zwölf Monate zeitweise unterbrochen werden kann“, wie Mark Lyttleton von Merrill Lynch Investment Managers sagt. Andere schätzen, dass der derzeit um 4 200 Punkte notierende Footsie bis Ende des Jahres noch fünf bis zehn Prozent zulegen kann. Dass der in den Halbjahresergebnissen zuletzt erkennbare Aufwärtstrend der Unternehmen zuerst auf Kostenreduzierungen zurückgeht, ist den Fondsmanagern dabei bewusst. Auch wissen sie, dass sich Restrukturierungserfolge nicht so leicht wiederholen lassen. Doch gehen sie davon aus, dass das nicht nötig sein wird: „Jetzt beginnt die nächste Phase, in der sich die Verkaufszahlen wieder verbessern“, sagt Richard Buxton, Leiter britischer Aktien bei der Fondsgesellschaft Schroders plc.

Die Experten favorisieren zyklische Branchen und Aktien mit Wendepotenzial. Rob Jones vom Fondsmanager Threadneedle etwa setzt auf Konstruktions- und Bauwerte. Konkret hofft er auf die britische RMC, den weltgrößten Hersteller von Fertigzement. Die Aktie, die auch die Schweizer Investmentbank UBS empfiehlt, profitierte zuletzt von der Wende bei der Verlust bringenden deutschen Tochter Readymix. Jones glaubt, dass die Firma weiteres Potenzial besitzt.

Ein Kandidat für eine baldige Wende ist nach Ansicht von Schroders-Manager Buxton der britische Maschinenbauer Cookson. Zwar werde die Lage für die Firma, die auch Komponenten in die Halbleiterindustrie liefert, kurzfristig „weder schlechter noch besser“. Eine Kapitalerhöhung habe aber die finanzielle Situation verbessert und die Aktie weiter verbilligt.

In Irland haben die Anleger am meisten von Investitionen in kleine und mittelgroße Firmen profitiert. Der Iseq Small Cap legte seit Ende Februar mehr als 40 Prozent zu. „Die Angst vor fehlender Liquidität in kleinen Werten ist wie weggeweht“, sagt Gervais Williams, Leiter für britische und irische Small Caps beim Londoner Vermögensverwalter Gartmore. Und das, obwohl die Marktkapitalisierung aller notierten irischen Unternehmen nicht einmal vier Prozent der Konkurrenten in London ausmache. Anleger in Dublin interessieren sich für ähnliche Themen wie die Londoner: solide Zykliker oder Wendekandidaten. Zu der ersten Gruppe gehört laut Williams die Kingspan Group, ein Hersteller von Wandisolierungen und Heizungssystemen, die durch rechtliche Änderungen in der EU einen erheblichen Nachfrageschub erfahren dürften. Ebenfalls stark werde sich der Baustoff-Anbieter Grafton Group entwickeln, der sich mit der Akquisition der englischen Jackson Building Group im März geschickt ausgedehnt habe.

Zur Gruppe der Wendekandidaten zählt Williams Independent News & Media, die von einer baldigen Rückkehr der Anzeigenkunden profitieren sollte. Ein weiterer Wendekandidat ist für ihn Horizon Technology. Der Zulieferer von IT-Zubehör habe sich stabilisiert, der Aktienkurs habe das Schlimmste hinter sich, und auch die Anleger hätten die Scheu vor dem Sektor verloren.

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